Das grosse New York hat ein vielfältiges Nachtleben. In aller Stille entfalten auch Bettwanzen ihre Aktivität: sechs Millimeter lang, nachtaktiv, ausgerüstet mit Stinkdrüsen und stechenden Mundwerkzeugen.

«Schweizerinnen von Wanzen zerbissen», titelte neulich der «Blick». Zwei Schweizer Geschäftsfrauen, Gäste des Hotels Pennsylvania, waren im Schlaf von einer Schar Bettwanzen attackiert worden. «Bei lebendigem Leib» seien sie «aufgefressen» worden, erklärte ihr Anwalt. Nun: Den beiden blieb noch die Kraft, Schadenersatz zu fordern. Wie viel, wollen sie nicht verraten.

Die Familie der Bettwanzen ist gross. Sie umfasst nicht weniger als 74 Arten. Die meisten führen tagsüber ein diskretes Leben hinter Tapeten, in Bettritzen oder in Lüftungsschächten. In der Nacht marschieren sie in Einerkolonne auf und belieben auf menschlicher Haut zu speisen. Die Spuren ihrer Stiche bezeichnet man als «Wanzenstrasse». Kein schöner Anblick, gewiss.

Es kann sich lohnen, Opfer zu sein
«Wanzenbisse sind völlig ungefährlich», beruhigt die Basler Insektenforscherin Denise Wyniger, die bis vor kurzem in New York lebte. «Sie haben keine Infektionen zur Folge, übertragen keine Krankheiten und hinterlassen keine Narben.» Nur seien die Kerle in dieser Stadt «überall anzutreffen».

Zahlreiche Zeitungsmeldungen geben der Expertin Recht. «Wanzen-Alarm in New Yorks Betten», war kürzlich im deutschen Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» zu lesen. Tatsächlich wurden dem Gesundheitsamt im Jahr 2004 377 Attacken gemeldet. Eine ähnliche Klage, wie sie die beiden Schweizerinnen deponierten, soll kürzlich in aller Stille erledigt worden sein.

Die Opferrolle macht sich in den Staaten bestens bezahlt: McDonald’s hatte einem Gast wegen eines defekten Pappbechers umgerechnet 1,3 Millionen Franken zu bezahlen. 7,8 Millionen forderte eine Zuschauerin von den Produzenten des Musicals «Cats», weil sie sich von einem Darsteller belästigt fühlte. Und die Erben eines Krebspatienten liessen sich vom Zigarettenmulti Philip Morris 195 Millionen überweisen.

Die beiden Schweizerinnen müssen allerdings aufpassen, dass sich die Rollenverteilung nicht verkehrt. Wanzenweibchen benötigen nämlich eine Blutmahlzeit, um überhaupt Eier legen zu können. Also könnte das Hotel auch gegen die beiden Gäste klagen – ermöglichten sie doch den Insekten, sich ungehemmt zu vermehren.