Beunruhigend, das Rattern der Maschinengewehre, das Donnern der Granaten. Man wähnt sich im Krieg. Das Frauenfelder Auenschutzgebiet Hau-Äuli liegt direkt neben dem Waffenplatz Allmend. «Zum Glück», sagt Förster Ruedi Lengweiler. Der Kampflärm stört die Wildtiere nicht, die Spaziergänger und Hundehalter hingegen schon. Die Wälder im Thurtal werden deshalb kaum von Menschen besucht. Man lässt die Natur «tschädderen», so Lengweiler. Bis sie die Einrichtungen der Zivilisation untergräbt. Dann heisst es intervenieren, präzise und mit Nachdruck.

Im Sommer wurde der Bau einer eigensinnigen Biberfamilie mit einem Betonschacht und Armierungseisen ausgekleidet, nachdem sie mehrmals einen Erddamm und die darüberführende Forststrasse unterhöhlt hatte. Mit kubikmetergrossen Blocksteinen und tonnenweise Kies hatte das Thurgauer Forstamt versucht, die Löcher zu stopfen – erfolglos. Vielmehr fühlten sich die Nager zu weiteren Baumassnahmen veranlasst. Da sie sich nicht davon abbringen liessen, unter der Strasse zu wohnen, will man ihren Fleiss mit Beton eindämmen. «Es scheint ihnen ganz gut zu gefallen hier», sagt der Ökologe Mathis Müller, der den Kunstbau angeregt hat.

Das Glück im Bunker


Im 19. Jahrhundert ist der Biber in der Schweiz ausgerottet worden. Er wurde gejagt wegen seines dichten Pelzes und wegen des Bibergeils, eines Sekrets, das als Wunderheilmittel galt. Ende der sechziger Jahre hat der WWF im Thurgau die ersten Biber wieder angesiedelt. Sie trafen auf eine veränderte Landschaft: die Fliessgewässer begradigt, die Feuchtgebiete entwässert. Trotzdem und weitgehend unbemerkt haben die Kulturfolger Nischen in Beschlag genommen. Aber erst mit der zögerlichen Umsetzung der Auenverordnung aus dem Jahr 1992 darf der Biber wieder, wie er will. Unübersehbar: Entlang dem Altlauf der Thur liegen gefällte Bäume, der Wald ist durchzogen von mäandrierenden Kanälen, die kleinen Landschaftsgestalter haben durchaus Freiheiten. Nur übertreiben sollten sie es nicht, wie das Beispiel Hau-Äuli zeigt.

Ob die Biberfamilie ihren Bunker schon bezogen hat? «Wir gehen davon aus, dass sie bereits in der ersten Nacht drin waren», so Förster Lengweiler. Tatsächlich: Die frischen Spuren beim Zugang lassen vermuten, dass das bombensichere Logis bewohnt ist. Gut so. Denn bisweilen soll es im Schutzgebiet Blindgänger regnen.