Bekanntlich lernt man in der Schule fürs Leben. Dass dies besonders bei der Rechtschreibung gilt, lehrt uns eine Geschichte, die sich unlängst in der Gegend zwischen Biel, Bern und Solothurn zugetragen hat. Hätte der zuständige Sachbearbeiter des Inseratekonzerns Publicitas in Solothurn an jenem Tag nämlich etwas mehr Wert auf korrekte Schreibweise gelegt, so wäre ihm vielleicht aufgefallen, dass etwas nicht stimmen kann. Er nahm per E-Mail eine Todesanzeige für Pascal Dechamps entgegen und liess diese in vier Regionalzeitungen setzen. Doch diesen Namen gibt es gar nicht. Deschamps schreibt sich mit einem s nach dem e. Vielleicht hätte er auch bemerkt, dass die Postleitzahl der Traueradresse in Bern nicht ganz korrekt war. All das hätte womöglich zu Stirnrunzeln und Nachfragen geführt und damit wohl verhindert, dass tags darauf Pascal Deschamps’ arme Mutter bei der Zeitungslektüre beinahe vor Schreck zu Tode kam.

Pascal Deschamps ist nämlich quicklebendig, was er nach Erscheinen der Anzeigen nicht nur seiner Mutter, sondern auch zahlreichen Verwandten und Bekannten versichern musste. Offensichtlich hatte sich jemand einen schlechten Scherz erlaubt. Und der Totgesagte ahnte auch sofort, wer die falschen Inserate aufgegeben hatte: Es war, wie ihm auf Anfrage bei der Publicitas bestätigt wurde, ein früherer Freund, mit dem Deschamps als Präsident des Vereins Marsch- und Wanderfreunde Biel und Umgebung früher oft zu Fuss unterwegs war.

Eines Tages will Deschamps beobachtet haben, wie dieser seine Freundin schlug, und riet ihr, den Übeltäter anzuzeigen. Mit der Männerfreundschaft ist es seither vorbei. Von da an erhielt Deschamps von seinem zornigen Kumpel Morddrohungen. «Er schickte teilweise 40 oder 50 SMS hintereinander», erzählt er. Zum Glück setzte der wütende Wanderfreund die Drohungen nicht in die Tat um, sondern nahm quasi die Abkürzung - und schaltete für mehrere hundert Franken falsche Todesanzeigen.

Fragt sich nur, wieso die tatsächlich gedruckt wurden: Gibt es bei der Publicitas keine Kontrollen? «Das ist ein sehr sensibler Bereich. Wir können natürlich nicht bei jeder Todesanzeige die Hinterbliebenen anrufen und fragen, ob die Verstorbenen auch wirklich tot sind», gibt Pressesprecher Christian Gartmann zu bedenken. Amtliche Todesbestätigungen könnten nicht verlangt werden, weil diese zu dem Zeitpunkt meist noch gar nicht ausgestellt seien. Allerdings würden die Texte immer auf seltsame sowie ehrverletzende oder rassistische Formulierungen geprüft. «Und es wird immer kontrolliert, ob die angegebene Adresse stimmt.» Immer - nur in diesem Fall eben nicht. Doch wie heisst es so schön: Totgesagte leben länger. 

Anzeige