Bis zu 50 Exemplare pro Quadratkilometer - so viele Feldhasen wie im Kanton Genf gibts hierzulande nirgends. «In vielen Teilen der Schweiz zählt man weniger als acht Hasen pro Quadratkilometer», sagt Gottlieb Dändliker, FaunaInspektor bei der kantonalen Dienststelle für Natur und Landschaft. Und weil das putzige Tierchen, in der Fachsprache Lepus europaeus genannt, den Bauern zunehmend die Ernte wegknabbert, blies der Inspektor zum Gegenangriff: Kürzlich hat Dändliker mit 100 Freiwilligen gut 60 Tiere eingefangen, um sie im französischen Savoyen und im Walliser Rhonetal wieder aussetzen zu lassen.

Der Feldhase steht auf der Roten Liste der bedrohten Arten, «ist aber grundsätzlich jagdbar, falls ihn die Kantone nicht unter Schutz stellen», sagt Christoph Jäggi vom Artenmanagement beim Bundesamt für Umwelt. Doch fast überall werde der Hase geschont.

Warum avancierte gerade der Zwergkanton Genf zum Hasenparadies? Seit vielen Jahren führe man hier «im grossen Stil Renaturierungen durch», betont Dändliker. «Damit erhalten seltene Tiere wie das Rebhuhn, der Steinkauz und eben auch der Feldhase wieder eine Lebensgrundlage.» Zudem ist der Erzfeind des Hasen geschwächt: In Genf geht die Fuchsräude um.

Treibjagd wie im MittelalterNun also soll der Hasenüberschuss gemildert werden - leichter gesagt als getan. Das Tier kann sich meisterhaft verstecken und stiebt auf der Flucht mit gut 50 Kilometern pro Stunde davon. Zudem wurde in Genf die Jagd 1974 per Volksentscheid generell verboten. Um die Tiere lebend zu erwischen, stellte Dändliker zuerst Fallen auf. Resultat: Nur eine Hand voll Rammler verirrte sich in die Käfige.

Mehr Erfolg zeigte die Treibjagd, «die wir wie im Mittelalter durchgeführt haben», wie der Inspektor nicht ohne Stolz erzählt: Ein Netz von rund einem Kilometer Länge wurde Uförmig ins Feld gelegt, die 100 Helfer bildeten am freien Ende eine Linie und marschierten langsam los, bis die Tiere in der Sackgasse steckten. Ein delikates Unterfangen, denn die schreckhaften Kreaturen können leicht einen Herzinfarkt erleiden. Jedoch seien nur zwei Hasen so gestorben, beruhigt Dändliker. Ein Verlust, den die Aussiedler in der neuen Heimat sicher rasch wieder wettmachen werden.

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