«Die Flut von Gesuchen hat uns überrascht», sagt Lukas Stoffel von der Vollzugsstelle für den Zivildienst im Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartement. Anfang Jahr rechnete man für 2009 nur mit einer kleinen Zunahme um 800 Gesuche. Doch im ersten Halbjahr sind schon über 2000 eingegangen – mehr als im ganzen letzten Jahr. Der Grund für den Run auf den Zivildienst: Seit 1. April muss man dafür keine Gewissensprüfung mehr über sich ergehen lassen. Es braucht nur noch den Tatbeweis: Der Zivildienst dauert eineinhalbmal so lange wie der Militärdienst.

Die Flut von Zivildienstgesuchen erschwert die Suche nach Einsatzstellen. Schon jetzt gibt es lange Wartezeiten bei begehrten Stellen. Reichen die rund 1800 Einsatzbetriebe für all die Zivildienstwilligen? «Einsatzplätze gibt es genug», beruhigt Stoffel. «Aber kurzfristig eine Stelle nach Wahl zu finden wird in den kommenden zwei Jahren sicher schwieriger.» Doch die zusätzlichen Zivildienstler nähmen keinem Arbeitslosen eine Stelle weg. Nach Gesetz müssen die Einsatzstellen arbeitsmarktneutral sein. Im Gegenteil kann der Zivildienst laut Stoffel sogar ein Mittel im Kampf gegen die Wirtschaftskrise sein: «Wir ermutigen Leute, die ihren Zivildienst während ihrer Arbeitslosigkeit leisten wollen.»

Wie lange der Ansturm der Gesuche noch anhält, lässt sich nicht voraussagen. «Die Zeit seit Anfang April ist schlicht zu kurz, um Gesetzmässigkeiten zu erkennen», meint Stoffel. Auffallend sei, dass überdurchschnittlich viele Gesuchsteller der letzten Monate älter seien und schon viele Militärdiensttage geleistet hätten.

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Wie gross der Exodus beim Militär ist, lässt sich offenbar nicht abschätzen. Von offizieller Stelle heisst es dazu nur, dass keine Statistik darüber geführt werde.