Die jungen Frauen wollten einen Job. Der IV-Rentner P. V. lockte mit Angeboten: Übersetzerinnen, Event-Reporter oder Escort-Damen suchte er per Inserat auf der Marktplatz-Seite von Uni und ETH Zürich.

Seit mindestens 2005 rekrutierte der 40-Jährige mit falschen Versprechen Studentinnen. Um ihnen die Hemmungen vor dem Escort-Geschäft zu nehmen, gab er sich sogar als Frau aus.

Die erwähnten Jobs gab es nicht, eine Escort-Dame «testete» er zwar persönlich, um ihr dann aber mitzuteilen, sie sei ungeeignet. P. V. offerierte den Frauen etwas ganz anderes: einen Einstieg in die undurchsichtige Welt der Geheimdienste und der Staatsschützer – Verschwiegenheit vorausgesetzt.

Den Frauen gaukelte er vor, mit Polizei, Staatsschutz und internationalen Diensten verkabelt zu sein. Dass er angeblich die Telefone der Frauen abhören und deren E-Mails jederzeit lesen könne, benutzte er später als Druckmittel, wenn Frauen abspringen wollten. Mehrere Betroffene bestätigten gegenüber dem Beobachter, dass sie überzeugt waren, P. V. habe solche Möglichkeiten.

Die Studentinnen wies er an, über Veranstaltungen in der linken Szene Berichte zu verfassen und möglichst Namen von Aktivisten zu notieren. So etwa am 1. Mai 2008 und 2009 in Zürich. P. V. nahm auch selber an Demos teil. Weil er an den Rollstuhl gefesselt ist, halfen ihm Aktivisten sogar beim Ein- und Aussteigen in Züge.

Eine der rekrutierten Frauen reichte Anzeige ein, nachdem ihr P. V. in einem Vertrag mit einer Konventionalstrafe von 100'000 Franken und weiteren Nachteilen gedroht hatte, falls sie Dritte über ihn und seine Aktivitäten einweihe.

Gab er Informationen weiter?

Das Zürcher Bezirksgericht verurteilte den IV-Rentner jetzt wegen Nötigung zu einer bedingten Geldstrafe von 4500 Franken. Nicht zum ersten Mal: 2008 wurde er wegen einer ähnlichen Geschichte mit 2700 Franken auf Bewährung bestraft. Diese Summe wird jetzt fällig.

Ob P. V. seine Informationen tatsächlich an andere weitergegeben hat, ist bis heute unklar. Vor dem Richter behauptete er, als freier Mitarbeiter für den Dienst für Analyse und Prävention tätig gewesen zu sein.

Auf seinem Handy befanden sich zwei Dutzend Nummern von Polizisten. Licht ins Dunkel hätte vielleicht sein konfiszierter Computer bringen können. Doch ein Teil der Daten war angeblich so geschützt, dass eine Entschlüsselung durch die Polizei Jahre gedauert hätte. Jetzt erhält der Verurteilte sein Gerät zurück.

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Der Beobachter berichtete bereits im Jahr 2008 über IV-Rentner P. V.:
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