Zunächst freute sich Therese Baumgartner über die kundenfreundliche Haltung des Geschäfts. Sie hatte bei Media-Markt in Dietlikon ZH ein «Sony Vaio»-Notebook für 2’199 Franken gekauft. Nach einem Monat brachte sie das Gerät zurück, weil der Bildschirm flackerte, und bekam prompt ein neues Notebook.

Doch dann erhielt sie im letzten November einen Anruf von einem ihr unbekannten Philippe Wigger. Der 21-Jährige hatte bei Media-Markt ein als «Vorführmodell» angeschriebenes «Sony Vaio»-Notebook zu einem reduzierten Preis von 1800 Franken gekauft, das Gerät zu Hause in Betrieb genommen – und die Daten von Baumgartner entdeckt. «Es war wirklich alles drauf», sagt der Elektromonteur gegenüber dem Beobachter: «Fotos, Buchhaltung, private Briefe – weiter habe ich gar nicht mehr geschaut.» Die Telefonnummer von Therese Baumgartner fand Wigger auf einer abgespeicherten Geburtstagseinladung. Gemeinsam beschwerten sich die beiden bei Media-Markt über den Vorfall. Wigger erhielt ein neues Notebook, Baumgartner einen Gutschein über 150 Franken mit der freundlichen Empfehlung des Verkaufsleiters, damit ein Programm zur Verschlüsselung ihrer Daten zu kaufen.

«Der Händler trägt die Verantwortung, dass keine Daten in fremde Hände gelangen», sagt Daniel Menna, Sprecher des eidgenössischen Datenschutzbeauftragten. «Hier liegt eine klare Verletzung des Datenschutzes vor.» Die Weitergabe von Datenträgern, die Angaben über Personen enthalten, sei unzulässig. Die Daten auf der Festplatte hätten umfassend gelöscht werden müssen.

Laut Manuela Tröndle, Assistentin der Geschäftsleitung bei Media-Markt, werden Geräte, die aus einer Reparatur vom Hersteller zurückkommen, in der Regel nochmals konfiguriert. «Damit wollen wir sicherstellen, dass keine Fremddaten mehr vorhanden sind.» Danach würden die Geräte vergünstigt verkauft. Tröndle spricht von einem einmaligen Fall, den sie sehr bedaure. Um weitere Pannen zu vermeiden, werde Media-Markt in der Filiale Dietlikon in Zukunft alle neu konfigurierten Geräte mit einem Sicherheitskleber versehen. Occasionen ohne diesen Kleber dürfen nicht mehr verkauft werden.

Occasion zum Neupreis
Dass der Vorfall doch nicht so einmalig ist und Geschäfte mit retournierter Ware teils salopp umgehen, musste auch Susanna Lava erfahren. Das Telefon, das sie bei der Migros in Brugg gekauft hatte, rauschte und wurde anstandslos umgetauscht. Aber als sie das neue Gerät programmieren wollte, stellte die 37-Jährige überrascht fest, dass bereits Telefonnummern gespeichert waren. Lava hatte eine Occasion erhalten, obwohl sie den vollen Preis bezahlen musste. Umgehend beschwerte sie sich bei der Migros, stiess aber auf wenig Verständnis: «Der Verkaufsleiter erklärte, dass ein Apparat, der äusserlich nicht beschädigt ist, zurück ins Regal gestellt und als neu verkauft wird.» Erst nachdem Lava vom Beratungszentrum des Beobachters erfahren hatte, dass sie ein solches Angebot nicht akzeptieren muss, bot die Migros einen Preisnachlass von zehn Prozent an.

Der Mediensprecher der Migros, Walter Staub, legt Wert auf das Kundenbindungsprogramm des Grossverteilers: «Wenn der Kunde mit der Ware nicht zufrieden ist, nehmen wir diese zurück, sofern das Produkt samt Verpackung vollständig und in gutem Zustand ist.» Staub bestätigt, dass gemäss den internen Richtlinien «diese Produkte je nach Zustand wieder zum vollen respektive reduzierten Preis verkauft werden». Das an Susanna Lava verkaufte Telefon bezeichnet Staub als «absolut neuwertig».

Staub vergisst dabei, dass abgespeicherte Telefonnummern ebenfalls dem Datenschutz unterstehen, wie Datenschutzspezialist Menna festhält. «Es ist ein höchst unangenehmer Gedanke, wenn man ein Gerät in Reparatur bringt und nicht weiss, was mit den Daten geschieht», so Menna. «Der Händler kann sich nicht einfach aus der Verantwortung stehlen.» Walter Staub verspricht Besserung: «Die Migros wird ihr Personal besser instruieren, um solche Fehler zu vermeiden.»

Wie gehen andere Geschäfte mit retournierten elektronischen Geräten um? Auch bei Coop kommen laut Mediensprecher Jörg Birnstiel die zurückgebrachten Geräte nochmals in den Verkauf, sofern sie neuwertig sind. Bei Mobilezone landen zurückgegebene Geräte nicht unbesehen wieder in den Regalen. Mobilezone-Chef Ruedi Baer: «Alle Retouren werden vom Kundendienst getestet, dann wird geprüft, ob sie als neuwertig oder als Occasion verkauft werden.» Die Swisscom vertritt eine klarere Haltung: Die Telekomfirma biete in ihren Shops keine Retouren an, sagt Mediensprecher Christian Neuhaus. Sobald die Originalverpackung geöffnet worden sei, gelange die Ware nicht mehr in den Verkauf.

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