Beobachter: Herr Oberle, sucht Ihr Amt ab und zu nach Sparmöglichkeiten?
Bruno Oberle:
Nicht nur ab und zu, sondern laufend.

Beobachter: Weshalb bauen Sie nicht die Luftmessstationen ab? Die Resultate interessieren ohnehin kaum.
Oberle:
Das glaube ich nicht.

Beobachter: In den heissen Junitagen stiegen die Ozonwerte wieder grossflächig über den Grenzwert. Empört hat sich niemand. Warum?
Oberle:
Das stimmt so nicht. Viele Leute fragten bei ihrem Arzt nach, klagten bei den Behörden oder erkundigten sich via SMS und Internet über die Ozonwerte. Und im Tessin gab es eine Protestaktion von Umweltschützern. Hinzu kommt, dass sich die Situation in den vergangenen Jahren verbessert hat.

Beobachter: Was heisst das?
Oberle:
Beim Ozon stellen wir eine Abnahme von zehn bis 20 Prozent fest. Das betrifft sowohl die höchsten Konzentrationen als auch die Anzahl Übertretungen des Grenzwerts. Dies, weil die Vorlaufstoffe des Ozons aus Industrie und Verkehr dank moderner Technik reduziert werden konnten – Stickoxide um 30 Prozent und VOC um 50 Prozent.

Beobachter: Eigentlich dürfte der Ozongrenzwert nur während einer Stunde pro Jahr überschritten werden. Wie sinnvoll ist eine Vorschrift, die jahrelang bei weitem verfehlt wird?
Oberle:
Der Grenzwert ist keine Fantasiezahl. Erst wenn er eingehalten wird, können gesundheitliche Probleme weitgehend ausgeschlossen werden. Die Überschreitungen des Grenzwerts zeigen, dass weitere Massnahmen zur Reinhaltung der Luft notwendig sind. Wir verfolgen unseren Weg zur Verbesserung der Atemluft hartnäckig, sind aber noch lange nicht am Ziel. Das ist ein langfristiges Projekt.

Beobachter: Vor zehn Jahren wurde geraten, Kinder an heissen Nachmittagen nicht draussen spielen zu lassen. Davon ist keine Rede mehr. Haben die Behörden damals überreagiert?
Oberle:
So etwas hat das Buwal nie empfohlen. Es wäre übertrieben, Kinder an schönen Sommertagen nicht draussen am Schatten spielen zu lassen. Heute kann man jedoch sagen: Gesunde Menschen werden vom Ozon – wie es in der Schweiz gemessen wird – keine langfristigen Schäden davontragen. Aber kleine Kinder, alte Leute oder Personen mit Atemproblemen sind sicher gut beraten, auf körperliche Anstrengung am frühen Nachmittag zu verzichten.

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