Als der Beobachter im Mai über die Absichten des Bundesamts für Sport (Baspo) und von Swiss Olympic berichtete, mittels einer Aufklärungsoffensive der sexuellen Ausbeutung im Sport den Kampf anzusagen, liess Barbara Boucherin Dampf ab. Die Kampagnenleiterin beim Baspo hätte sich neben den Massnahmen zur Sensibilisierung und Prävention noch eine schärfere Waffe gewünscht: die Registrierung von straffälligen pädosexuellen Trainern, denen es dadurch erschwert würde, bei einem neuen Verein unterzukommen. Doch der Datenschutz habe entsprechende Pläne des Bundesamts abgeklemmt, klagte Boucherin damals: «So kommen wir nur langsam vorwärts.»

«Prioritäten wurden neu gesetzt»
Jetzt bremst ausgerechnet ihr eigener Chef noch mehr. Bei der offiziellen Lancierung der Kampagne «Keine sexuellen Übergriffe im Sport!» (www.fairplay.ch) sprach sich Baspo-Direktor Heinz Keller vehement gegen die Einführung von derartigen schwarzen Listen aus. «Die Prioritäten wurden neu gesetzt», räumt er ein. Der Blick soll nach vorne gehen: In schwarzen Listen wären nur Leute erfasst, deren Taten bereits erfolgt seien, so Keller. «Damit diese Ersttaten aber gar nicht erst geschehen, muss mehr Energie in die längerfristig angelegte Kampagne gesteckt werden.»

Schwarze Listen sind bei der Bekämpfung der Pädokriminalität in Fachkreisen eine zentrale Forderung. Zumal auch die noch vor kurzem als Bremser gerügten Datenschützer unterdessen Tempo machen: Die Vereinigung der schweizerischen Datenschutzbeauftragten hat ein Konzept erarbeitet, mit dem die gesetzlichen Grundlagen zur Führung eines nationalen Pädophilenregisters geschaffen werden sollen. Einer Registrierung pädophiler Trainer steht also nichts mehr entgegen – ausser dem Chef des Sportamts.

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