«Das geht die SBB nichts an», dachte Reta Tschopp aus Muttenz BL, als sie für ihre bald 16-jährige Tochter Evelyne ein Generalabonnement (GA) bestellen wollte und dabei nach ihrem Beruf und Zivilstand gefragt wurde. Falsch gedacht. Ohne diese Angaben, bemerkte die Bahnangestellte kühl, erhalte sie das GA nur gegen Barzahlung. Ein Bezug per Monatsrechnung, wie es Tschopp wollte, sei nur möglich, wenn sie alle Felder ausfülle. Sie erfuhr erst auf hartnäckiges Nachfragen, dass das Inkassobüro Intrum Justitia diese persönlichen Daten will; die Firma treibt für die SBB die Forderung ein, falls Tschopp dereinst nicht zahlen würde.

«Ich finde das diskriminierend», sagt Reta Tschopp. «Eine Coiffeuse oder eine alleinerziehende Mutter muss doch keine schlechtere Zahlerin sein als eine Professorin.» In der Tat räumt Intrum Justitia ein, dass weder Beruf noch Zivilstand einen direkten Einfluss auf Zahlungsmoral oder Bonität haben. Aber dennoch will die Firma nicht auf die Angaben verzichten: «Sie dienen dazu, die Person eindeutig zu identifizieren», so Intrum-Sprecherin Bettina Bickel.

Das Problem: Dass die Daten an eine Inkassofirma weitergegeben werden, steht nicht auf dem GA-Bestellformular. Und schon gar nicht, dass dies präventiv zur Bonitätsprüfung geschieht - also bevor der Kunde überhaupt in Zahlungsrückstand gerät. Immerhin prüfen die SBB jetzt laut Pressesprecherin Michèle Bamert, ob das Formular inskünftig klarer aufgeteilt wird: in Fragen, die alle zu beantworten haben, und in solche, die nur ausfüllen muss, wer eine Ratenzahlung will.

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