Beobachter: In den letzten 50 Jahren hat sich die Zahl der über 65-Jährigen verdoppelt. Immer mehr Hochbetagte sind auf Betreuung und Pflege angewiesen. Wie wirken sich die höheren Pflegekosten auf die Krankenkassenprämien aus?
Willy Oggier:
Grundsätzlich steigen die Kosten aufgrund der demografischen Entwicklung nicht so stark, wie man in den achtziger Jahren befürchtet hat. Die Pflegekosten dürften sich jedoch wegen der neuen bundesrätlichen Verordnung über die Kostenrechnung verdoppeln.

Beobachter: Viele können sich die Krankenkassenprämien schon heute kaum noch leisten. Wer soll in Zukunft diese hohen Pflegekosten bezahlen?
Oggier:
Mit dem heutigen System der Kopfprämie besteht eine Umverteilung von Jung zu Alt. Junge Familien und Alleinerziehende bezahlen die Pflegekosten der Alten. Dabei weiss man, dass es zwei Dritteln der Rentner gut geht; sie könnten mehr bezahlen.

Beobachter: Sie befürworten also die Einführung einer obligatorischen Pflegeversicherung für ältere Versicherte?
Oggier:
Das habe ich schon vor zwei Jahren vorgeschlagen. Eine solche Versicherung ist als kurz- oder mittelfristige Massnahme zu diskutieren. Langfristig sollte man sich jedoch überlegen, ob nicht der Staat einen fixen Teil der Pflegekosten übernimmt. Heute werden die sparsamen Rentner nämlich bestraft, indem sie ihre Pflegeheimkosten mitfinanzieren müssen. Wer dagegen alles verdiente Geld ausgegeben hat, bekommt staatliche Hilfe.

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Beobachter: Wie viel wird diese neue Versicherung kosten?
Oggier:
Aufgrund der heutigen Situation müssten die über 50-Jährigen mit 55 Franken pro Monat rechnen. Dafür dürfte die Prämie der Grundversicherung für alle um acht bis zehn Prozent sinken.

Beobachter: Müssen wir ohne die Pflegeversicherung weiterhin mit jährlich steigenden Krankenkassenprämien rechnen?
Oggier:
Ja. Wenn sich nicht fundamental etwas ändert, werden die Prämien weiter steigen.