Juni 2005: Auf ihrer nächtlichen Heimfahrt fällt zwei jungen Männern auf, dass ein Auto sie verfolgt. Sie sehen vermummte Insassen, bekommen Angst und telefonieren der Polizei. Was der 17- und der 21-Jährige nicht wissen: Die Verfolger gehören zur Sondereinheit Luchs der Kantonspolizei Luzern. In Arth SZ hält die Polizei die beiden an, die «Luchse» schlagen mit der Pistole ein Fenster ein, zerren die beiden aus dem Wagen und drücken sie zu Boden. Gefesselt und mit verbundenen Augen verharren sie fast eine Stunde, ohne zu wissen, wieso.

Dabei haben die Polizisten unmittelbar nach der Festnahme erkannt: Statt eines vermeintlichen Gewaltverbrechers hatten sie zwei Unschuldige verfolgt. Eine Fluchtgefahr bestand also nicht – auch eine Enttarnung der Mitglieder der Interventionseinheit drohte nicht, schliesslich waren diese vermummt.

Dies sei ein klarer Amtsmissbrauch, befindet nun die Schwyzer Staatsanwaltschaft. Nachdem das Missverständnis erkannt war, hätte man den beiden Jugendlichen Handschellen und Augenbinden abnehmen müssen, heisst es in der Anklage gegen die Verantwortlichen.

Bei der Verhaftung erlitten die beiden jungen Männer Prellungen, Schürfungen und Beulen. Das Verhöramt muss nun doch noch analysieren, ob das Vorgehen der Polizei bei der Verhaftung verhältnismässig war oder ob sich die Polizisten wegen Körperverletzung verantworten müssen.

Unvollständige Abklärungen

Eigentlich wurde das Verhöramt bereits vor zwei Jahren angewiesen, genau das abzuklären. Das Gericht bemängelte, dass damals entscheidende Aspekte ungenügend untersucht worden waren.

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Für Bruno Schelbert, Anwalt eines Opfers, hat das schleppende Vorgehen schon fast System. Auch er beklagt, dass zentrale Vorwürfe, etwa zu Manipulationen an den Videoaufnahmen zum Einsatz, nie ernsthaft untersucht wurden. Er wirft den Behörden Rechtsverweigerung und -verzögerung vor. Zudem werde das Verfahren nun mutwillig portioniert: «Die Anklage wird zerhackt, bis kein Fleisch mehr an den einzelnen Knochen bleibt.»