«Ich zeigte die Papiere, die man von mir verlangte.» Doch die Frage, woher er jetzt gerade komme, mochte er nicht beantworten. (Er kam von seiner Arbeit.) Zannou wurde in Handschellen auf den Polizeiposten Lenzerheide gebracht. Dort sei er in ein Zimmer gesperrt worden. «Man zwang mich, mich nackt auszuziehen und eine Urinprobe abzugeben.» Nach einer Stunde wurde er wieder freigelassen. Zannou weiss bis heute nicht, warum er festgehalten wurde. Der 33-jährige Mann stammt aus dem afrikanischen Benin, ist seit sieben Jahren mit einer Schweizerin verheiratet, hat zwei Kinder und arbeitet als Kranführer. Der Familienvater reicht nun eine Beschwerde ein.

Polizeikommandant Markus Reinhardt bestätigt die «Zuführung auf den Polizeiposten». Zannou sei wegen seines «verbal aggressiven Verhaltens» abgeführt worden. Die Polizisten hätten «korrekt gehandelt und nur ihre Pflicht getan». Den Vorwurf des «rassistischen Übergriffs» weist der Polizeikommandant zurück.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) dokumentiert in einem neuen Bericht 30 Polizeiübergriffe gegen Globalisierungsgegner, Asylbewerber und Fussballfans. «Auch Schwarze werden häufiger Opfer unverhältnismässiger Polizeikontrollen», sagt Magdalena Urrejola von AI, Ko-Autorin des Berichts. «Wir fordern eine unabhängige Beschwerdeinstanz, damit solche Fälle rasch untersucht werden.»

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