Nachdem Gertrud Pürro alles gezeigt, dieses und jenes hervorgeholt und zu manchem eine Anekdote erzählt hat, bleibt sie bei der Vitrine mit den beweglichen Objekten stehen und sagt mit Glanz in den Augen: «Wenn ich den Leuten eine Freude machen kann, bedeutet mir das viel mehr, als abends eine volle Kasse in die Wohnung zu schleppen.» Dann nimmt sie einen ihrer Lieblinge zur Hand, den Kinohelden Bugs Bunny – eine stattliche Stoffpuppe, die in schallendes Gelächter ausbricht, wenn man ihren Bauch drückt. «Wenn Schüler ihn zum ersten Mal hören, kugeln sie sich vor Lachen am Boden.»

Pürros Lebensinhalt ist das Hasenmuseum, «das einzige in Europa», wie es im Prospekt heisst. Die Hausfrau und Mutter eines jung verstorbenen Sohnes eröffnete es vor elf Jahren. Damals genügten ihr zwei Zimmer in der eigenen Wohnung in Wetzikon ZH, seit 1996 benötigt sie zwei Stockwerke in einem Ladenlokal in Bubikon ZH. «1977 schenkte mir mein Mann zwei kleine Hasenfigürchen. Seither sammle ich alles, was mit Hasen zu tun hat», sagt die Museumsleiterin und zeigt auf zwei unscheinbare dunkelbraune Schmuckstücke, die im Regal sitzen. «Das sind Adam und Eva des Hasenmuseums.»

Die beiden Langohren blieben nicht lange allein. Gezielt durchforstete die Sammlerin Shops und Antiquitätenläden im In- und Ausland, Kleinanzeigen in Zeitschriften sowie Internetbörsen. Sie nimmt alles in ihre Kollektion auf, was nach Hase aussieht – ausser ausgestopfte Tiere: Hasen in Form von Stoffpuppen, Porzellanfiguren, Holzskulpturen; Hasen als Aufdruck auf Tassen und Tellern, Briefmarken und Servietten; Hasen auf Kaffeerahmdeckeln und Weinflaschenetiketten; Hasen als Türvorleger, Puzzlespiel, Rasensprinkler, Musikspieldose, Lampenschirmdekor oder als Klobürstenverzierung.

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«Ich habe jetzt über 5000 Objekte», sagt Gertrud Pürro, «aber fertig ist mein Museum eigentlich nie.» Sie könne speziellen Gegenständen einfach nicht widerstehen. «Skurrile Sachen, Besonderheiten, Raritäten – da sage ich nicht nein.» Die kleinsten Hasen sind fingernagelgross. Das grösste Stück, der hellblaue Plüschhase Tommy, misst 1,70 Meter – «ohne Ohren, die haben nochmal einen Meter», sagt die Museumsleiterin schmunzelnd.

Gute Zulieferer sind ihre Verwandten und Freunde, die bei Reisen ins Ausland immer an das Hasenmuseum denken. So kann es durchaus vorkommen, dass mitten in der Nacht das Telefon klingelt, weil ein Kollege in den USA einen singenden Hasen entdeckt hat und fragen will, ob er ihn kaufen soll. Verlockend ist auch das Internet, wo man die Ware ohne grossen Aufwand bestellen und bezahlen kann.

Besucher aus der ganzen Welt
Sie habe nie daran gedacht, ein Museum zu eröffnen, sagt Gertrud Pürro. Bekannte seien ihr aber in den Ohren gelegen und hätten ihr gesagt, dass die Sammlung dem Publikum gezeigt werden müsse – «und irgendwann glaubte ich es selbst». Heute ist sie Herrin und Meisterin über 160 Quadratmeter Ausstellungsraum, den sie frei gestalten kann und den sie dreimal im Monat dem Publikum öffnet. «Für mehr reicht die Zeit einfach nicht», seufzt Pürro, die neben ihrem Museumsjob noch den Haushalt führt, die betagte Mutter pflegt – und Kaninchen züchtet.

Bereits ihre Grosseltern und ihr Vater waren Kaninchenzüchter. «1969 hatte ich den Wunsch, selber Tiere zu haben», erinnert sich Pürro, die mit ihrer Kleinsilberrasse bald Zuchterfolge feiern konnte und über 20 Jahre in regionalen und nationalen Verbänden als Aktuarin und Präsidentin amtierte. «Aber mir ging es nie um den Erfolg, sondern immer nur um das Tier.» Vor einigen Jahren reduzierte sie die Zucht, um mehr Zeit fürs Museum zu haben: Fotografien ihrer schönsten Zuchttiere hängen in den Ausstellungsräumen.

Das Engagement, mit dem Gertrud Pürro ihr Museum pflegt, spricht sich herum. Firmen, Vereine, Schulen buchen Führungen, dazu kommen Einzelbesucher und Touristen. Amerikaner, Schweden, Dänen – sogar Chinesen und Japaner waren schon in Bubikon. Ein Gast machte ihr besonders Eindruck: Michel Bouvier, Autor des Standardwerks «Der Hase in der Antike», reiste kürzlich aus Frankreich an, um das Museum zu besuchen.

Skulptur aus Mäuseskeletten
Prominenten und illustren Besuch haben oft auch Margaretha Dubach und Jürg Willi in ihrem Musée bizarre in Rieden AG. Mediziner, Psychologen und Veterinäre besuchen die Ausstellung, aber auch Familien und Vereine. Im Musée bizarre gehts nicht um eine einzelne Tierart, sondern um das Verhältnis zwischen Mensch und Tier.

Hauptteil des Museums ist eine begehbare Installation, die das Schaffen des legendären Jakob Pilzbarth zeigt. Der Professor soll vor 100 Jahren die so genannte Anthropolyse entwickelt haben – eine spezielle Badekur, die den Menschen vom Menschsein befreien und in eine höhere, tierische Existenzform bringen soll.

Pilzbarths Methode sorgte Anfang des 20. Jahrhunderts für einiges Aufsehen in der Fachwelt. Sogar Sigmund Freud und Carl Gustav Jung sollen sich mit dem Thema beschäftigt haben. Irgendwann geriet Pilzbarth in Vergessenheit – bis ihm Dubach auf die Spur kam und zu einem Ehrenplatz in ihrem Museum verhalf.

Gleiches gilt für den zweiten Teil der Ausstellung, wo ausschliesslich Mäuse zu sehen sind. Vor einigen Jahren kam aus dem Nachlass eines Bauern eine makabre Sammlung ins Brockenhaus: Der Landwirt hatte die Skelette von 100 Mäusen zu einem Schaubild aufgereiht.

Monatelange Kleinarbeit
Das Brocki wollte die grauslige Skulptur weder behalten noch wegwerfen und fragte vom Landesmuseum bis zu den naturkundlichen Häusern diverse Museen an, ob sie die Mäuse nehmen würden. Überall winkten die Verantwortlichen ab: Die Restauration sei zu aufwändig. Margaretha Dubach scheute den Aufwand nicht und nahm das Erbstück an. In monatelanger Kleinarbeit reinigte sie die Mäuse, stattete sie mit Fell und Kleidern aus und stellte sie in Schaukästen – es entstand eine Art menschlich-tierische Puppenstube.

Eine «Mischung aus Neugier und Ehrgeiz» habe sie zur Museumsgründerin gemacht, sagt Margaretha Dubach. «Ich wollte sehen, ob ich etwas Eigenes auf die Beine stellen kann», erzählt die Künstlerin in ihrem Atelier in Zürich, wo die Installationen fürs Musée bizarre entstehen.

Die Werkstatt selbst ist eine Gesamtskulptur: Boden, Tische und Gestelle sind übersät mit Rohstoffen, Fundstücken, Projekten und Arbeiten. Dubach, die sich in der Tradition des Surrealismus sieht, machte sich einen Namen als Objektkünstlerin. Bekannt wurde sie mit der Ausstellung «Vivat Helvetia», die 1998 im Landesmuseum Zürich zu sehen war.

Ihr Museum ist dreimal wöchentlich geöffnet, Führungen gibt es in der Regel einmal im Monat, jeweils sonntagvormittags. Dubach, ihr Mann Jürg Willi oder externe Referenten erklären die einzelnen Schaubilder, beantworten Fragen und kommen beim anschliessenden Apéro mit den Besuchern ins Gespräch. «Die Führungen sind uns wichtig, wir schaffen immer eine sehr persönliche Stimmung», sagt die Kuratorin, die gerade diese Herzlichkeit an ihrem Privatmuseum schätzt: «Das geht nur, weil wir frei entscheiden können, was wir tun und lassen wollen.»

Der Nachteil dieser Freiheit sind die knappen Finanzen: Im Musée bizarre arbeiten neben dem Gründerpaar vier Personen teilzeitlich, manche ehrenamtlich. Unterstützung vom Staat gibt es nicht, auch Sponsoren sind nicht leicht zu finden. «Zählt man die Arbeitsstunden nicht, kommen wir knapp durch», bilanziert Dubach. Für Werbung oder gar für Erweiterungen fehlt das Geld. «Dabei ist der Aufbau eines Museums eigentlich der schönste Prozess», erklärt die Künstlerin lachend. «Jetzt, wo es steht, möchte ich gleich wieder mit etwas Neuem beginnen.»

Zwischen Wünschbarem und Machbarem musste auch Stefan Beck immer eine Grenze ziehen. Der gelernte Maschinenmechaniker und Inhaber einer Firma für Präzisionsteile in Pfäffikon ZH ist Sammler von Schreibmaschinen und historischem Bürozubehör. «Meine ganze Sammlung hat sich praktisch selbst finanziert», sagt Beck am gemütlichen Kaffeetisch in seinem Ausstellungslokal.

Gesammelte «Herzmaschinen»
Das Museum errichtete er vor zehn Jahren an seinem Firmensitz. Es wird laufend vergrössert. Dabei sei er aber «kein Spekulant» geworden, betont Beck. Viele wollten aus ihren Sammlungen bloss Kapital schlagen, bis die Schulden drücken und der Konkurs droht. «Günstig kaufen, selber restaurieren, wieder verkaufen oder gegen etwas anderes tauschen; so habe ich meine Sachen erstanden», sagt Beck.

Im 140 Quadratmeter grossen Privatmuseum taucht man ein in die Anfänge der Bürotechnik. Gut 250 nostalgische Schreibgeräte stehen in den Vitrinen, dazu mehrere Dutzend Rechenmaschinen, Bleistiftspitzer, Verschlüsselungsapparate. Besonders stolz ist Beck auf seine Farbbanddosen-Kollektion: 1000 Stück hat er gesammelt, darunter internationale Raritäten. «Das Ganze ist eine Sucht», gesteht der Kollektioneur, «ich kann sagen, dass ich nun praktisch alles habe.» Trotzdem reist Beck heute noch an Auktionen – um zu sehen, ob nicht die eine oder andere seiner «Herzmaschinen» aufzustöbern sei.

Die Schätze nicht verstecken
Schreibmaschinen der ersten Generation bis zum Jahrgang 1930 sind die Prachtstücke seiner Sammlung. Neben Remington, Adler oder Mignon besitzt Beck «eine Königin»: eine «Malling Hansen» 1867. Das gute Stück ist die erste kommerziell hergestellte Schreibmaschine der Welt – nur noch rund zehn Exemplare sind im Besitz internationaler Sammler. Eines davon erzielte an einer Auktion kürzlich die stolze Summe von 200'000 Franken.

Für Stefan Beck, der seine Leidenschaft seit 30 Jahren pflegt, war die Museumsgründung ein logischer Schritt: «Ich denke, jeder Sammler hat im Innersten das Bedürfnis, seine Schätze auch zu zeigen.» Er könne sich nicht vorstellen, die Objekte zu verstecken, die er in wochen- und monatelanger Fleissarbeit restauriert habe. Um die Waren zu finden, ist Beck dem Internationalen Forum Historische Bürowelt und dem Sammlerclub Historische Büromaschinen Schweiz beigetreten. Er kennt die Szene in- und auswendig.

Umgekehrt ist es für jeden Sammler, der in die Region kommt, eine Ehrensache, bei Beck in Pfäffikon anzuklopfen. «Kürzlich waren Belgier hier, die haben beim Betreten des Museums nur noch ‹mon Dieu› geflüstert», erzählt der stolze Sammler, der wöchentlich «mindestens 20 Stunden» in sein Hobby investiert. «Solche Echos sind ein sehr schöner Applaus für mich.»