Gleich mehrere unschöne Auseinandersetzungen zwischen Protectas-Angestellten und Ravern haben Zürcher Stadtpolizisten an der Streetparade 08 beobachtet: In einem Fall landete ein Festbesucher im Zürichsee. Der Mann habe die Abkühlung verdient, soll sich ein Angestellter der Sicherheitsfirma gegenüber einem Polizisten gerechtfertigt haben. Wer ihn in den See gestossen hatte, ist bis heute unklar. In einem anderen Fall fesselten Protectas-Mitarbeiter einen Besucher und führten ihn auf einen Schiffssteg im Hafen Enge. Ohne nachvollziehbaren Grund, wie Abklärungen eines Stadtpolizisten darauf ergeben haben. Der Polizist wollte darauf einem Protectas-Gruppenleiter klarmachen, dass sich seine Leute polizeiliche Kompetenzen anmassten. Man gehe immer so vor, soll dieser geantwortet haben. Dass dies nicht erlaubt sei, wisse er nicht. Tatsache ist, dass private Sicherheitsleute nicht mehr Kompetenzen haben als gewöhnliche Bürger.

Ein weiterer Vorfall ereignete sich am Bellevue, wo sich gleich mehrere Protectas-Angestellte ohne triftigen Grund auf einen Besucher geworfen und diesen zu Boden gedrückt haben sollen. Gegenüber der Polizei habe darauf niemand die Verantwortung für den Einsatz übernommen. 

Die Beobachtungen sind dem Kommando der Zürcher Stadtpolizei mit der Anregung gemeldet worden, ein strafrechtliches Vorgehen gegen die Protectas zu prüfen. Doch über ein halbes Jahr später ist offenbar nichts geschehen.

Beat Zürcher, stellvertretender Kommandant der Stadtpolizei, bestätigt, die schriftlichen Beobachtungen bereits im vergangenen August erhalten zu haben. «Solche Kritik an Einsätzen – von welcher Seite sie auch kommen – pflegen wir jeweils in die Planung künftiger Anlässe einfliessen zu lassen und sprechen sie mit den Veranstaltern ab», sagt Zürcher, der an der Streetparade 08 der polizeiliche Einsatzleiter war. Von rechtlichen Schritten gegen die Protectas scheint er offensichtlich nichts zu halten.

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«Die Polizei hat uns nicht informiert»

Die Protectas hat erst über den Beobachter von den Vorwürfen überhaupt erfahren. «Die Stadtpolizei hat uns in keiner Weise informiert. Vielmehr wurde unsere Arbeit von dieser Seite gelobt. Bisher sind auch keine Anzeigen gegen Angestellte von uns eingegangen», sagt Patrik Wolf, stellvertretender Generaldirektor der Protectas. Auch die Organisatoren der Streetparade zeigen sich überrascht: «Wir arbeiten zurzeit am Sicherheitskonzept für die Streetparade 09. Die Kritik der Polizisten kennen wir nicht. Das macht es auch unmöglich, aus allfälligen Fehlern Konsequenzen zu ziehen», sagt Remo Michel, Vorstandsmitglied des Vereins Streetparade, der den Auftrag an die Protectas vergeben hat. Rund 270 Sicherheitsleute standen 2008 auf Kosten der Veranstalter im Einsatz. Michel arbeitet selber im Ausbildungsbereich bei der Protectas. «Ich bin aber unabhängig genug, den Auftrag auch an andere Anbieter zu vergeben, die das Anforderungsprofil erfüllen.»

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Heinz Buttauer, Präsident des Schweizer Polizeibeamtenverbands, war selber Zeuge von problematischen Protectas-Aktionen. Über das Vorgehen der Stadtpolizei ist er enttäuscht. «Wenn die Kritik der eigenen Polizisten im Kommando nicht ernst genommen wird, stimmt wohl etwas mit der Führung nicht.» Buttauer will jetzt selber eine Strafanzeige gegen die Protectas prüfen. Ausserdem soll das Vorgehen privater Sicherheitsleute im Polizeibeamtenverband thematisiert werden.