Wer in der Schweiz nach dem Weg fragt oder sich etwas Geld leihen will, darf mit gutem Grund auf Hilfe zählen. Denn hierzulande haben Menschen tendenziell Vertrauen zu ihren Mitmenschen. Das ist nicht überall so, wie eine weltweite Wertestudie zeigt. Der ­Radius des Vertrauens ­variiert stark, wie Sozio­logen der Jacobs-Universität in Bremen erstmals über Länder und Kulturen hinweg messen konnten. Während sich die Schweizer, Schweden und Norweger als besonders vertrauensvoll erwiesen, trauten die Menschen in der Türkei und in Ruanda einander am ­wenigsten über den Weg.

In Asien, so der überraschende Befund, gibt es viel weniger generelles Vertrauen, als man vielleicht vermuten würde. In Thailand, ­China und Südkorea ist der Vertrauensradius eng begrenzt: Er beschränkt sich auf Familie und Freunde. In reichen, westlichen Ländern, so die Forscher, sei das generelle Vertrauen höher als in ärmeren, nichtwestlichen Ländern.

Vertrauen haben ist mehr als ein netter ­Wesenszug. Es gilt Sozialwissenschaftlern als wertvolle Ressource. Denn je grösser der ­Vertrauensradius, desto mehr profitiert das ­Gemeinwohl. In Ländern mit einem weiten Radius engagieren sich die Menschen öfter in Vereinen, sie sind toleranter und unterstützen demokratische Prinzipien stärker.

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Besonders vertrauenswürdig sollen übrigens Menschen sein, die leicht peinlich berührt sind oder schnell rot werden. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Universität von Kalifornien. Schnell in Verlegenheit zu ­geraten sei ein Zeichen von Tugend. «Ver­legenheit ist Teil des sozialen Kitts, der ­Vertrauen und Kooperation im Alltag fördert», so Koautor Robb Willer. Wer also das nächste Mal einen Mitmenschen um einen Gefallen bittet: Ein zartes Erröten kann bereits helfen.