Wigoltingen und Müllheim an der A1: Wo heute kaum jemand Halt macht, sollen sich künftig Schnäppchenjäger aus der Ostschweiz und dem grenznahen Ausland einkleiden. «Edelreich» heisst die Überbauung mit bis zu 30'000 Quadratmetern Verkaufsfläche. Es wäre das grösste Outlet-Center hierzulande. Gegen 120 Anbieter von Edelmarken sollen Kunden in den «Kanton mit Mehrsicht» (Eigenwerbung) locken.

Mangelnde Einsicht befürchten dagegen Umweltverbände bei der Bauherrschaft und den Behörden. «Das Projekt verstösst krass gegen die Grundsätze der Raumplanung. Solch verkehrsintensive Einrichtungen auf der grünen Wiese sind gemäss Richtplan nicht zulässig», kritisiert Wolfgang Schreier, Kopräsident des Thurgauer VCS. Darüber hinaus fehle es an Vorschriften zu Emissionsbeschränkungen, wie sie das Bundesgericht bereits in anderen Fällen verlangt hat. Verkehrsclub, WWF und Pro Natura wollen das Projekt an diesem Ort gemeinsam bekämpfen. «Es geht nicht um ein paar Parkplätze mehr oder weniger. Es geht um ein illegales Vorhaben», so Schreier.

Die Bauherrschaft JTM Rütenen hat ihr Projekt dem Kanton zur Vorprüfung vorgelegt und mit geringfügigen Auflagen zurückerhalten. Bereits nach den Sommerferien soll es nachgebessert in den Gemeinden aufgelegt werden. Dann sind Einsprachen möglich.

Kritik auch aus Deutschland

Die Umweltverbände sind nicht die einzigen Kritiker des «Edelreich»-Projekts. Bedenken kommen auch aus dem süddeutschen Raum. Der Einzelhandelsverband Südbaden schreibt «Edelreich» eine Schwächung der Innenstädte und gar eine Veränderung der Siedlungsstruktur zu.

Schweizweit sind heute sieben Outlet-Center in Betrieb, zwei in Planung. Die Bilanz ist durchzogen: Eines soll geschlossen werden, ein anderes ist zu einem normalen Einkaufszentrum geworden. Im Herbst eröffnet in Landquart das 21'000 Quadratmeter grosse Alpenrhein Outlet Village – ohne Fundamentalopposition. Schreier: «Das zeigt, wie differenziert wir Projekte beurteilen.» Anders als in Wigoltingen würden dort die rechtlichen Vorgaben erfüllt. «Dann respektieren wir auch die Gewerbefreiheit.»