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RecyclingUnd plötzlich zahlt man zweimal

Beobachter-Leser Rudolf Bachmann wundert sich: Dürfen demontierte Elektronikgeräte in der Entsorgungsstelle tatsächlich seit kurzem als Sperrgut abgerechnet werden?

Die Entsorgung von Elektroschrott sollte nicht kosten – eigentlich.
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Elektrofachmann Rudolf Bachmann aus Richterswil tat, was er immer tut: Kaputte Geräte nimmt er auseinander. Wenn sich herausstellt, dass sich eine Reparatur nicht mehr lohnt, bringt er sie zur nächsten Entsorgungsstelle, der KVA Horgen. Das sollte gratis sein, schliesslich wird bei Elektronik- und Haushaltsgeräten die Entsorgungs­gebühr bereits beim Kauf berappt.

«Doch plötzlich fingen die Angestellten der Horgener Entsorgungsstelle an, für demontierte Haushaltsgeräte Geld zu verlangen.» Diskutieren half nichts, Bachmann musste zahlen. An der Kasse erklärte die ­Dame noch, es gebe für Elektroschrott keine Position im Kassensystem, sie verrechne daher einfach «Sperrgut». Tatsächlich findet sich auch auf der Preisliste im Internet kein Eintrag für Elektronikschrott.

Rudolf Bachmann ärgert sich: «Muss ich Geräte tatsächlich wieder zusammenschrauben, bevor ich sie zur Entsorgung bringe? Und beim Recycler werden sie sowieso wieder auseinandergeschraubt? Was für ein Unsinn!»

Roman Pichler, Platzchef der KVA Horgen, weist die Vorwürfe zurück: «Wir haben zerlegte Geräte schon immer als Elektronikschrott behandelt und entsprechend verrechnet. Wie es die Recycling­orga­ni­sationen Swico und Sens verlangen.» Hinzu komme, dass sich demontierte Grossgeräte nicht mehr stapeln lies­sen. «Ruag ­Environment, die alte Geräte für ­Swico verwertet, will es aber so.»

«Der Sache nachgehen»

Für Swico und Sens ein unverständ­liches Vorgehen: «Swico-Recycling-­Annahmestellen sind vertraglich verpflichtet, entsprechende Altgeräte, egal in welchem Zustand, kostenlos entgegenzunehmen», sagt Sprecherin Anna Keller. «Wenn das nicht so ­gehandhabt wird, werden wir dem selbstverständlich nachgehen.»

Auch bei Sens ist man konsterniert. «Wir gehen nicht ­davon aus, dass dies böswillig geschehen ist. Aber wir werden auf jeden Fall dafür sorgen, dass sich die KVA Horgen in Zukunft kulanter verhält und dass der Betroffene sein Geld rück­erstattet bekommt», betont Sprecherin Sabrina Bjöörn.

Die Beobachter-Intervention hat geholfen: Elektrofachmann Bachmann erhielt von der KVA Horgen bereits am nächsten Tag eine Entschuldigung sowie das Versprechen, dass er sein Geld zurückbekomme und in ­Zukunft auch demontierte Geräte kostenlos abgeben könne.

Veröffentlicht am 02. Februar 2016