Die steuerbefreite Stiftung Rega schwimmt im Geld und führt ein undurchsichtiges Geflecht kommerziell tätiger Firmen. Das Echo auf den Bericht im Beobachter 7/00 war enorm: Fernsehstationen, Zeitungen und Radiosender nahmen das Thema auf. Die Rettungsflieger mussten sich kritischen Fragen stellen – und Fehler eingestehen.

So gab Rega-Geschäftsleiter Hans-Peter Kurz in der «Tagesschau» zu, dass die Ausschaffung von Asylbewerbern durch die Rega-Tochter Medicall problematisch sei: «Wenn man die Medicall im weiteren Sinn zur Rega-Familie zählt, dann sollte sie das in Zukunft nicht mehr tun.»

In der «Rundschau» räumte FDP-Präsident Franz Steinegger ein, er habe erst durch den Beobachter erfahren, dass seine Doppelfunktion als Rega-Stiftungsrat und Suva-Verwaltungsratspräsident problematisch sein könnte. Befangen sei er aber nicht. Und: «Die anderen Mitglieder in der Medizinaltarifkommission schauen schon, dass wir der Rega nicht zu viel zahlen.»

Den Vorwurf, die Rega enthalte ihren Gönnerinnen und Gönnern wichtige Informationen vor, wollte Steinegger nicht akzeptieren: «Die Rega muss sich punkto Transparenz nichts vorwerfen lassen.» Im gleichen Atemzug gestand er aber ein, dass in Zukunft über das Firmengeflecht besser informiert werden müsse.

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Steinegger musste zurückkrebsen
Pikant war Steineggers Aussage über den Kaufpreis der Rega-Tochter Medicall. Der Beobachter hatte geschrieben, dass die Rega laut Schätzungen von Insidern für die Medicall rund vier Millionen Franken aus der Gönnerschatulle hinblätterte. Vor der «Rundschau»-Kamera bestritt Stiftungsrat Steinegger diese Zahl zuerst vehement und sprach von weit geringeren Kosten. Doch noch im Verlauf der Sendung musste sich der Urner Politiker korrigieren: Der Kaufpreis liege tatsächlich bei 3,9 bis 4,1 Millionen Franken.

Doch nicht nur die Medien reagierten auf die Beobachter-Enthüllungen. Inzwischen meldeten sich beim Beobachter aktive und ehemalige Rega-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter. Sie bestätigten, dass bei der Rega tatsächlich einiges im Argen liege. So hätten in letzter Zeit immer wieder Mitarbeiter gekündigt, weil sie mit den Geschäftspraktiken der Rettungsflugwacht nicht einverstanden gewesen seien. Andere Angestellte, die ihre Bedenken intern geäussert hatten, seien entweder entlassen oder so lange gemobbt worden, bis sie von selber das Handtuch warfen. Rega-Chef Kurz bestreitet dies jedoch: «Solche Fälle sind uns nicht bekannt und deshalb auch nicht kommentierbar.»

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Die Verantwortlichen der Rettungsflugwacht zeigen sich überrascht von der Kritik: «Mit Erstaunen nimmt die Rega zur Kenntnis, dass der Beobachter eine Kampagne gegen die Rega lanciert», ist auf der Homepage zu lesen. Und in der «Rundschau» spricht Chefpilot Beat Roder gar von einer «Schlammschlacht».

Irrtum. Der Beobachter versucht einfach, durch den Schlamm auf festen Grund zu stossen.