«Die Rekrutierung läuft super gut», frohlockt Armee-Mediensprecher Philippe Zahno. «Wir sehen kein Problem.» Kein Problem? Die Militärs bieten Rekruten auf und schicken sie am selben Tag wieder nach Hause. Übung «Chaos» in den Kasernen.

Beispiel Markus Ingold: Der 20-Jährige aus dem solothurnischen Deitingen erhielt Anfang Mai den Marschbefehl; am 11. Juli sollte er zur Sommer-RS im aargauischen Bremgarten einrücken – als Motorfahrer für Lastwagen, so wie sich Ingold das gewünscht hatte. Zu früh gefreut: Mitte Juni lag im Briefkasten überraschend militärische Post betreffend «Überbestände». Wegen einer «zu grosszügig berechneten Dispensationsreserve», stand da in Armeedeutsch, seien zu viele Motorfahrer aufgeboten worden. Weil die Ausbildungsressourcen nicht ausreichten, werde eine Nachrekrutierung durchgeführt.

Ingold trabte ein zweites Mal an, wobei ihm eine Umteilung in eine Füsilier-RS vorgeschlagen wurde. Doch der vor Monaten in einem dreitägigen, aufwändigen Verfahren ausgehobene Ingold beharrte auf seinem Job als Motorfahrer. Folge: Er wurde auf der Stelle nach Hause geschickt. Die Rekrutenschule wird er erst im nächsten Frühling antreten können.

Kein Einzelfall: 84 Rekruten wurden laut Philippe Zahno bei der Sommer-RS nachrekrutiert. Die Armeeführung verweist derweil auf fehlendes Lehrpersonal – und auf Informatikprobleme: Seit der Einführung eines neuen Personal-Infosystems bekunde man gravierende Schwierigkeiten.

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