Eine Fahrt mit der Ambulanz kostet schnell einmal 1000 Franken und mehr. Viel Geld, wenn man die Hälfte selber berappen muss. Geld, das nicht jeder hat – oder zahlen will. «Die Zahlungsmoral lässt je länger, je mehr zu wünschen übrig», sagt Kurt Neeser vom Rettungsdienst Neeser in Wohlen AG. «In den letzten vier Jahren haben sich bei uns Ausstände über eine halbe Million Franken angehäuft.» Selbst Sozialämter habe er schon betreiben müssen.

Auch Katharina Käch, Geschäftsführerin des Ambulanzdienstes Käch in Dornach SO, kennt das Problem: «Rund drei Prozent des Umsatzes pro Jahr fehlen uns wegen Ausständen, Tendenz steigend.» Dass es «nur» drei Prozent seien, liege wohl daran, dass sie unter anderem Ratenzahlung anböten. «Manche zahlen die geschuldeten Beträge von mehreren hundert Franken mit 30 Franken im Monat ab, weil sie die Rechnung anders nicht begleichen können.» Natürlich gebe es auch die, die nicht zahlen wollen. «Es kommt immer wieder vor, dass die Krankenkasse ihren Teil an die Klienten überweist, diese das Geld aber für anderes ausgeben. Es wäre daher besser, die Kassen würden uns ihren Beitrag direkt überweisen», findet Käch. 

Wenn Rettungsdiensten Geld fehlt, weil Rechnungen nicht bezahlt werden, kann es für die Patienten gefährlich werden – insbesondere bei privat gehaltenen Firmen, die keine Zuschüsse von Kanton oder Gemeinde erhalten. «Wenn ein Rettungsdienst zu wenig Mittel hat, um gute oder genügend Leute einzustellen, leidet irgendwann die Qualität», sagt Martin Gappisch, Direktor der Dachorganisation Interverband für Rettungswesen. 

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Wegen Pannen Bewilligung weg

Das kann unter Umständen schlimme Konsequenzen haben, wie der Fall des Rettungsdienstes Intermedic zeigt: Vor zwei Jahren geriet eine 83-jährige Frau mit akutem Lungenödem in Lebensgefahr, weil Intermedic erst den Weg zu ihr nicht fand, die Sanitäter es dann nicht schafften, sie die Treppe hinunterzutragen, wertvolle Zeit mit einem gestürzten, aber unverletzten Velofahrer vertrödelten und schliesslich zurückfuhren, weil sie ihre Gerätschaften in der Wohnung vergessen hatten. Erst eineinhalb Stunden nach der Alarmierung traf die Ambulanz mit der Betagten im Spital ein (siehe «Notruf: 144 Rettungslos überfordert»). Intermedic hatte damals zu wenig qualifiziertes Personal. Das führte schliesslich dazu, dass dem Rettungsdienst die Bewilligung entzogen wurde. Mittlerweile konnte Intermedic das Personal aufstocken, der Betrieb erfüllt die Qualitätsstandards des Dachverbands wieder.

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