Beobachter: In den Kantonspolizeien von Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Bern sind prozentual fast doppelt so viele Frauen beschäftigt wie in Zürich. Wie erklären Sie sich das?
Rita Fuhrer: Wir bilden viele Frauen aus, und der Anteil der Aspirantinnen steigt kontinuierlich. Frauen bleiben aber durchschnittlich weniger lang bei der Polizei als ihre männlichen Kollegen. Frauen geben eben eher den Job auf, wenn sie heiraten. Auch gibt es bei uns bis jetzt keine Teilzeitstellen. Ich sehe da aber ein Bedürfnis. Es wird eine Lösung gesucht.

Beobachter: Die Zürcher Kantonspolizei bildet das grösste Korps der Schweiz. Dennoch liegt der Frauenanteil sogar noch unter dem Schweizer Durchschnitt. Weshalb?
Fuhrer:
Die Kantonspolizei Zürich wurde über längere Zeit sehr autoritär geführt. Das war nicht unbedingt dienlich für die Sache der Frau. Die Frauen wurden nicht aktiv gefördert.

Beobachter: Ihre Berner Amtskollegin Dora Andres setzt sich aktiv für die Frauenförderung ein. Kürzlich gab sie eine Broschüre mit Aussagen wie «Frauen, wagt den Weg in Kaderfunktionen» heraus. Besteht in Zürich kein Handlungsbedarf?
Fuhrer:
Ich bewirke viel mehr durch meine Art als durch solche Broschüren. Es gibt auch noch andere Alibiübungen, die ich nicht mitmache. Ich bin aber im Pistolenschützenverein der Kantonspolizei, schiesse regelmässig, nehme an Fahrkursen teil, die einiges abverlangen, und übernehme als Chefin einer männerdominierten Direktion Verantwortung. Ich mache mit und behaupte mich. Das wird wahrgenommen – auch von Polizistinnen.

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Beobachter: Bei der Zürcher Kantonspolizei ist aber trotzdem keine Frau in der Führungsetage vertreten.
Fuhrer:
Ich hoffe stark auf unsere jungen Frauen. Wir haben sehr gute Polizistinnen im Korps, die für eine künftige Führungsaufgabe sicherlich geeignet wären.

Beobachter: Die Zürcher Stadtpolizei unterhält seit fünf Jahren ein Gleichstellungsbüro. Wieso gibt es kein solches bei der Kantonspolizei?
Fuhrer:
Bei uns ist die Gleichstellung gewährleistet – durch mich und die Führung des Korps. Unsere Devise lautet: Auf die Fähigkeit der Person schauen, nicht aufs Geschlecht. Es gab früher allerdings eine Anlaufstelle für Frauen. Doch sie wurde kaum genutzt. Deshalb habe ich sie kurz nach meinem Amtsantritt abgeschafft.