Sehr geehrter Herr Federer, vor Monatsfrist hat jedes Medium rund um den Globus freudig vermeldet, dass Sie in Bälde Vater werden. Da wollten wir als Gratulanten nicht hintanstehen. Im Familienteil unserer Zeitschrift hätten wir uns ein Gespräch mit Ihnen gewünscht – darüber, wie Sie sich auf die kommende Zeit vorbereiten. Aber Sie erteilten uns eine Absage: «wir werden ihre fragen nicht beantworten», mailten Sie. Ohne Punkt. Punkt.

In der Kürze liegt die Würze. Angesichts der heutigen Informationsflut sind elektronische Nachrichten, die die Sache auf den Punkt bringen, eine Wohltat. Aber doch nicht so, Herr Federer! Ihre Mail liess zu viele Fragen offen: Mit wem genau wollten Sie nicht reden? Mit mir? Mit meinem Chef? Oder gar mit allen vom Beobachter? Weil Sie keine Anredeformel benutzten, konnten wir darüber nur mutmassen.

Ein Rätsel blieb auch, wen Sie mit «wir» meinen. Sie und Ihre Sponsoren? Sie und Mirka? Eine Signatur fehlte nämlich. Dies lässt den Schluss zu, dass Sie besagte sechs Wörter nicht selbst geschrieben haben. Dieser Ton würde ja irgendwie auch nicht richtig zu Ihnen passen. Das macht die Sache aber nicht besser: Angestellte, die schlampige oder stillose Mails verschicken, können rufschädigend fürs Unternehmen sein. Aus diesem Grund sollte jedermann einige Grundregeln der Mailerei kennen:

  • Die Betreffzeile soll den Inhalt der Mail zusammenfassen.
  • Der Empfänger der Mail ist mit Namen anzusprechen.
  • Abkürzungen und Emoticons sind kindisch und gaukeln Coolness vor.
  • Zur korrekten Rechtschreibung gehört wie in herkömmlichen Briefen die Unterscheidung zwischen Gross- und Kleinschreibung.
  • Mit einem Mausklick lassen sich die Rechtschreibung und die Grammatik überprüfen.
  • Warnhinweise wie «Der Inhalt dieser Mail ist streng vertraulich» sind überflüssig.
  • Vertrauliche Nachrichten schickt man nicht per Mail.


Und zum Schluss: Jede Mail sollte immer mit einer zum Inhalt passenden Grussformel beendet werden. In diesem Sinn: Ich grüsse Sie und Ihr Team ganz herzlich und wünsche Ihnen alles Gute.