Die Rüstungsbranche braucht Verschwiegenheit. Wer plaudert, wird ruppig zur Räson gebracht. «Mit freundlichen Grüssen» endet zwar der eingeschriebene Brief, den die Ruag dem Firmeninhaber Rahim Fardin zustellte. Der Inhalt aber ist alles andere als freundlich. «Wie der Ausgabe Nummer 7 des Beobachters zu entnehmen ist, haben Sie gegen ein vertraglich vereinbartes Verbot der Weitergabe von Informationen verstossen.» Die Ruag sehe sich gezwungen, Fardin «die geschuldete Konventionalstrafe» in Rechnung zu stellen. 402'000 US-Dollar möchte der Rüstungsbetrieb bei Fardin einkassieren.

Fardin ist Inhaber und Geschäftsführer der Femswiss AG. Die Spreitenbacher Firma ist spezialisiert auf die Herstellung von Laserschuss-Simulatoren. Diese erlauben eine Kampfausbildung ohne Verwendung scharfer Munition. Auch die Schweizer Armee braucht solche Simulatoren. Geordert hat das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) die Geräte aber nicht bei der Femswiss AG, sondern bei der bundeseigenen Ruag. Bemerkenswert dabei: Die Femswiss AG könnte die Simulatoren viel günstiger anbieten. Satte 20 Millionen Franken hätte der Bund sparen können, wenn er Fardins Firma berücksichtigt hätte.

Weil sein System - im Gegensatz zu jenem der Ruag - bereits funktioniert, wunderte sich Fardin, warum nicht er den Zuschlag bekam. Diese Verwunderung machte er im Beobachter öffentlich - und zog sich damit den Zorn der Ruag-Oberen zu.

Die Ruag ist ein Riese. Gut 1,2 Milliarden Franken Umsatz machte sie letztes Jahr. Trotz ihrer Grösse reagiert sie immer wieder aggressiv, auch gegen deutlich schwächere Gegner. Der Versuch, die kleine Firma Femswiss einzuschüchtern, ist nur der jüngste Vorfall in einer Reihe, die den wenig souveränen Umgang der Ruag-Bosse mit Kritik dokumentiert.

Massregelung à la RuagSo entliess der Konzern einen Mitarbeiter und zerrte ihn vor den Kadi, weil er Unregelmässigkeiten beim Verkauf von ausgedientem Armeematerial im Thuner Liquidationsshop publik gemacht hatte. Pinzgauer und Armeelaster, so der Vorwurf des Insiders, würden zu viel zu günstigen Konditionen an bevorzugte Händler abgegeben. Leidtragende: die Staatskasse, der dadurch erhebliche Gewinne verlorengingen.

Die Ruag verlangte «eine strenge Bestrafung» als «Signal an Geschäftspartner und Mitarbeitende». Der Ex-Angestellte wurde wegen Weitergabe von Geschäftsgeheimnissen zu zehn Tagen bedingt plus 600 Franken Busse verurteilt. Die von ihm kritisierten Punkte wurden nie befriedigend geklärt. Der zuständige Untersuchungsrichter stellte das Verfahren ein, ohne wichtige Zeugen einvernommen zu haben.

Auch Politiker sind nicht vor einer Massregelung gefeit. SP-Nationalrat Paul Günter erlaubte sich, einige rüstungskritische Vorstösse einzureichen. Postwendend lud die Ruag Günter, Mitglied der nationalrätlichen Sicherheitskommission, von ihrer jährlichen Infoveranstaltung wieder aus.

Die Medien werden ebenso abgemahnt. Als «Facts» über die Liquidationsshop-Affäre berichtete, verlangte die Ruag eine Aussprache. «Die Atmosphäre war konfrontativ. Mir schien, es herrschte eine Wagenburgmentalität, die Ruag-Leute wollten uns den Tarif durchgeben», sagt Stefan Barmettler, damals Chefredaktor.

Was wirft die Ruag Firmeninhaber Fardin konkret vor? In ihrem Brief bezieht sie sich auf ein Geschäft namens «Projekt CTC Taiwan», das die Femswiss AG mit der Ruag abgewickelt habe. Bloss: Ein solches Projekt erwähnt der Beobachter-Bericht mit keinem Wort. Und die Information, wonach die Ruag mit Taiwan geschäftete, ist jedem zugänglich, der «Taiwan» und «Ruag» bei Google eintippen kann. Um eine Stellungnahme gebeten, ging der Konzern auf Tauchstation: Zu einem laufenden Verfahren sage man nichts, so Ruag-Kommunikationschef Bruno Frangi.

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