«Trifft eine schriftliche Beschwerde bei uns im Veterinäramt ein, erfolgt eine unangemeldete Kontrolle. Das eidgenössische Tierschutzgesetz erlaubt uns jederzeit Zutritt zu allen Tierhaltungen, auch ohne dass Beschwerden vorliegen. Mündliche Meldungen werden nicht bearbeitet. Dies nicht zuletzt deshalb, weil viele Leute versuchen, Nachbarschaftsstreitigkeiten über die Tiere auszutragen.

Ist der Halter physisch oder aus Altersgründen nicht mehr imstande, für die Tiere zu sorgen, versuchen wir zuerst, eine Lösung im Umfeld zu finden, etwa dass der Enkel den Hund ausführt oder die Nachbarin die Hamster füttert. Findet sich kein Weg, werden die Tiere umplatziert.

Wäre der Halter grundsätzlich fähig, gut zu den Tieren zu schauen, werden Massnahmen verordnet, die er in einer bestimmten Frist umsetzen muss. Dann wird nachkontrolliert. Bestehen die Missstände weiterhin, muss der Betroffene damit rechnen, dass wir die Tiere beschlagnahmen. In gewissen Fällen nehmen wir zu solchen Einsätzen aus Sicherheitsgründen die Polizei mit.

Der Gestank in vernachlässigten Tierhaltungen ist oft bestialisch. Beschlagnahmte Tiere werden sofort tierärztlich untersucht, falls nötig behandelt. In seltenen Fällen werden die Tiere aufgrund des sehr schlechten Zustands auch mal eingeschläfert.

Die schlimmsten Zustände, die mir je begegnet sind, fand ich in einer Zweizimmerwohnung vor, die flächendeckend etwa einen Meter hoch mit Unrat zugepflastert war. Wir mussten sie Schaufel für Schaufel leer räumen, der Müll füllte einen ganzen Kehrichtwagen der städtischen Abfuhr. Jede Schaufel mussten wir nach Tieren durchsuchen. Etliche der Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster und Vögel konnten wir nur noch tot bergen – sie waren vertrocknet.

Viele Halter und Halterinnen sind aufgrund der Umstände nicht mehr in der Lage, sich und ihre Tiere ausreichend und korrekt zu versorgen. Sie können einfach nicht anders, schauen oft auch selber nicht gut zu sich. ‹Das sind meine Kinder, ich liebe sie und kann nicht ohne sie sein›, hört

man oft. Hinter solchen Fällen verbirgt sich viel Leid, auch menschliches. Bei Einsätzen in solch traurigen Tierhaltungen müssen wir einen kühlen Kopf bewahren, um die nötigen Massnahmen einleiten zu können.

Wirklich kein Verständnis habe ich für Leute, die ihre Tiere so vernachlässigen, wie wir es kürzlich in einer leeren Wohnung antrafen: Die Halter hatten dort ein Terrarium voller Wüstenspringmäuse beim Auszug einfach zurückgelassen – ohne Futter und ohne Wasser.»

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