Wer kräftig einen hinter die Binde giesst, muss irgendwann dringend zur Toilette. Vor allem Männer verlieren in dieser Situation öfter mal alle Hemmungen - und pinkeln hinter den nächsten Busch. In der Basler Altstadt ist jetzt der Notstand ausgebrochen: Immer mehr wird an Hauswände und sogar an Baudenkmäler uriniert, etwa an das schöne Spalentor. «Wir Anwohner müssen unsere Kinderwägen durch Pipipfützen schieben», ärgert sich denn auch eine Leserbriefschreiberin in der «Basler Zeitung».

Die Behörden haben deshalb der Pinkelmanie den Kampf angesagt. Gegenmassnahme Nummer eins: Seit Anfang Jahr darf die Polizei direkt am Ort des Vergehens 50 Franken Busse einkassieren.

Gegenmassnahme Nummer zwei: das Versprühen von Zitronenduft. «Das biologisch abbaubare Mittel neutralisiert die Geruchsmoleküle», erklärt Markus Brügger, Leiter Technik bei der Stadtreinigung. Rund 30 Liter werden pro Woche versprüht. Ursprünglich wurde der Geruchsblocker für Kläranlagen und Schlachthöfe entwickelt.

Gegenmassnahme Nummer drei: Auf Beschluss des Basler Grossen Rats werden zusätzlich elf WC-Kabinen aufgestellt. Auf Stadtgebiet stehen dann 76 öffentliche WCs. Eine neue Schüssel kostet stattliche 130'000 Franken, bietet aber Luxus pur; sie wird nach jedem Besuch automatisch gewaschen und desinfiziert.

«Zu anfällig für technische Defekte», meint dazu Jürg Jampen, stellvertretender Leiter Stadtbauten und Verantwortlicher des WC-Konzepts in Bern. Dort will man wildes Pinkeln mit einfachen Unisex-Einerkabinen im Chromstahl-Look bekämpfen, rund 100'000 Franken das Stück. Zudem sollen zwei grosse WC-Anlagen die Innenstadt sauber halten. Vielleicht bringt das alles aber auch nichts. Denn: «Es gibt Männer», sagt Jampen, «die pinkeln 20 Meter neben einem WC an die Hausfassade - aus purer Faulheit.»

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