Richard Weiss aus Aarau wähnte sich als unbescholtenen Bürger - bis er letztes Jahr ein Generalabonnement (GA) bestellte. Er wählte das «Monats-GA», für das man den SBB monatlich die geforderte Rate bezahlt. Keine gute Idee. Er habe leider eine schlechte Bonität, beschieden ihm die SBB und lehnten seinen Antrag ab. Bei Intrum Justitia, der von den SBB mit der Bonitätsprüfung beauftragten Inkassofirma, erfuhr er, es gebe eine offene Forderung gegen ihn.

Es handelte sich um eine Rechnung über 220 Franken aus dem Jahre 1997. Sie war an das damals ihm gehörende Reisebüro adressiert. Weiss erinnert sich: «Ich hielt die rechnungstellende Firma für unseriös.» Weil all die Jahre nie eine Mahnung eintraf, vergass er die Sache.

Weiss sagt, er habe nie offene Forderungen gehabt, weder als Privatperson noch mit seinem Reisebüro. Intrum Justitia bestätigt auf Anfrage des Beobachters: «Richard Weiss hatte im fraglichen Zeitraum immer eine gute Bonität.» Trotzdem ist er nicht kreditwürdig? Weiss’ Beschwerde liess das Unternehmen unbeeindruckt. Aber es machte ihm ein Angebot: Für 90 Franken werde die alte Forderung gelöscht. So erhalte er doch noch ein GA.

Barbezahlung gibt es nicht
Weil Richard Weiss mehrere teure Zugfahrten vor sich hatte, bezahlte er die 90 Franken. Das Vorgehen des Inkassounternehmens bleibt fragwürdig. Intrum-Sprecherin Bettina Bickel weist den Vorwurf zurück, der Deal gleiche einem mittelalterlichen Ablasshandel. Weil sie das Kreditrisiko trage, lege Intrum Justitia «präventiv Wert darauf», dass zuerst alte Forderungen beglichen würden, «bevor jemand neue Abzahlungsverträge unterschreibt».

Für Richard Weiss grenzt die Erfahrung an Nötigung, hatte er doch keine andere Wahl, als der Intrum-Forderung nachzukommen. Denn die Möglichkeit, das Monats-GA bar oder via Kreditkarte zu bezahlen, gibt es bei den SBB nicht.