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SchiesslärmAb acht Uhr knallts

Wer in der Nähe eines Militärschiessplatzes lebt und unter dem Schiesslärm leidet, dem bleibt nur eines: wegziehen.

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«Seit Jahren kämpfen wir um unsere Ruhe. Ich koche vor Wut und bin absolut verzweifelt.» Vor sieben Jahren kauften Karin Thrier und Renate Schlotterbeck in der Glarner Gemeinde Mollis ein Bauernhaus. Zwar existierte der nahe gelegene Schiessplatz Walenberg damals schon, doch hat die Schiessintensität seither stark zugenommen: Andere Plätze wurden zwischenzeitlich geschlossen, die Schützen wichen auf Walenberg aus. Allein in diesem August wurde an 20 Tagen meist von acht Uhr morgens bis abends um zehn geschossen.

Reklamationen bei der Betreiberin des Platzes, dem Bundesamt für Verteidigung (VBS), brachten nichts. Zwar müssen sich auch Schiessplätze grundsätzlich an die Lärmschutzverordnung (LSV) halten, und die schreibt für jene Zone einen Grenzwert von 65 Dezibel vor. Messungen, die das VBS 2002 beim Haus der beiden Frauen durchführte, ergaben derweil einen Wert von 112 Dezibel. Weil es aber für Schiessplätze keinen Anhang zur LSV gibt, der die Schiessplatz-Grenzwerte definitiv festlegt, hat das VBS 1993 «Empfehlungen» herausgegeben. Der Richtwert: 119 Dezibel, so laut wie ein Presslufthammer. «Dass wir gegen diese Empfehlungen keine rechtlichen Schritte unternehmen können, finden wir besonders stossend», meint Hausbesitzerin Renate Schlotterbeck.

Schuld daran, dass noch immer kein Anhang zur LSV existiert, ist laut VBS das Bundesamt für Umwelt, das diese Arbeit «wiederholt hinausgeschoben» habe. Zwar soll der Anhang bald in Angriff genommen werden. Doch bis es so weit ist, werden Karin Thrier und Renate Schlotterbeck noch unter einigen tausend Schüssen zusammenzucken oder aufgeben und wegziehen. Dumm bloss, dass sie das Haus von der Gemeinde nur unter der Bedingung kaufen konnten, dass sie es während zehn Jahren als ständiges Wohndomizil nutzen.

Veröffentlicht am 29. August 2006