Irgendwann in der Entwicklungsgeschichte des Homo sapiens sapiens muss etwas passiert sein, das Menschen dazu bewegt, bestimmte Tätigkeiten bevorzugt in der Gesellschaft des gleichen Geschlechts zu verrichten. In grauer Vorzeit, als es zum Abendessen noch Mammutkeule gab, so stelle ich mir vor, jagten Männer unter Männern, während Frauen unter ihresgleichen Beeren sammelten und Kinder versorgten. In nicht ganz so grauer Vorzeit, so wurde mir erzählt, versammelten sich die Männer im Landsgemeindering zum Bestimmen, was ihre Frauen auch gut finden, und die Frauen trafen sich am Dorfbrunnen, um die Wäsche ihrer Bestimmer zu waschen.

Dieser Drang zur geschlechtergetrennten Gesellschaft hat auch heute mancherorts noch Bestand. In Damenmode-Abteilungen von Warenhäusern etwa. Überschreitet Mann daselbst die unsichtbare Demarkationslinie, die den allgemein zugänglichen vom für Frauen reservierten Teil abgrenzt, so sind ihm zwei Dinge gewiss: irritiert-indignierte Blicke («Was will denn der hier?») und eine herbeieilende Verkäuferin, die fragt: «Suchen Sie etwas Bestimmtes?»

Seltsam bloss, dass diese - evolutionär bedingte - Demarkationslinie in Herrenmode-Abteilungen nicht zu existieren scheint. So stand ich kürzlich vor einem Stapel durchaus geschmackvoller Hemden und überlegte, welches gute Stück wohl am besten zu mir passen würde. Der Mittfünfziger neben mir schien das gleiche Problem zu haben, und fast hätte ich mit ihm ein Gespräch unter unentschlossenen, aber kaufwilligen Männern angefangen, als ihn der Ruf ereilte: «Schatzi?» Der Mann zuckte kaum merklich zusammen und musterte angestrengt ein blau-weiss gestreiftes Hemd vor sich. Zehn lange Sekunden verstrichen.

«Schahatz?» Der Schahatz liess nun die Hemden Hemden sein und suchte Deckung hinter einem Ständer mit Jeans. «Schahatz!» Der nächste Ständer - einer voller Winterjacken - bot dem mittlerweile leicht erröteten Schahatz bessere Deckung gegen die näher kommende Frauenstimme.

Allerdings nicht lange. «Schatz!!!» Der Kampf war eindeutig verloren, der Kopf des Unterlegenen rot vor Scham. Die Gesichtsfarbe wurde noch einen Ton dunkler, als die Göttergattin die Winterjacken beiseiteschob und ihrem Schatz triumphierend eine Packung Boxershorts mit Mickey-Mouse-Muster entgegenstreckte: «Schau, was ich für dich gefunden habe!» Zehn Minuten später stand der Mann mit Boxershorts in der einen und einem blassrosa Hemd in der anderen Hand an der Kasse und hatte jegliche Selbstachtung verloren. Er zückte resigniert die Kreditkarte und schlurfte dann mit Einkaufstasche, Gattin und hängenden Schultern von dannen.

Etwa so müssen sich einst die Männer gefühlt haben, wenn statt ihrer Jagdclique eine Frau das Mammut erlegt hatte.

Quelle: Luca Schenardi
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