Dazu spielen sie zum grossen Platzkonzert auf: mit Presslufthammer, Grabenstampfer, Betonfräse und anderen Folterinstrumenten. Völlig unschuldige Anwohner, die dann noch an ihren Kopfkissen horchen, werden mit einer Sinfonie des Schreckens zugedröhnt: Ratatatatatatatatata - wrummm - kraaaeisch - ratatatatata - kraaaeisch - wrummmm - ratatatatatatatatatatata. Das Famose an der Sache ist, dass das Inferno jeweils nur relativ kurz dauert. Denn spätestens um neun Uhr packt die Bauarbeiter das schlechte Gewissen, und sie verstecken sich für ungefähr eine Stunde in der Beiz.

Wenn sie da wieder rauskommen, scheinen sie ein wenig zur Ruhe gekommen. Denn für den Rest des Tages nehmen sie bekanntlich nur noch Arbeiten in Angriff, die weit weniger lärmintensiv sind. Vielleicht muckt noch hie und da einer auf: «Scheff, wir müsse noch mache Loch, mit Presslufthammer!» Worauf der Scheff wahrscheinlich antwortet: «Du mache morge früh, um sieben. Jetzt sind ja alle scho wach.»

Woraus entspringt er, dieser Drang der Bauarbeiter, in aller Herrgottsfrühe ihre Mitmenschen aus dem Bett zu scheuchen? Ist es, wie oft vermutet, die reine Rachsucht - eine Stinkwut auf jenen Grossteil der Bevölkerung, der nicht so früh aufstehen muss?

Vielleicht sollte sich mal jemand ein Herz fassen, einen Bauarbeiter schonend anhalten und ihn fragen: «Äh Sie, äh, Entschuldigung, aber warum beginnen Sie eigentlich nicht eine Stunde später mit der Arbeit? Und lassen so das ganze Land eine wohlverdiente Stunde länger schlafen?»

Allerdings, so ist zu befürchten, würde man wohl eine ziemlich entwaffnende Antwort erhalten: «Scheff sage, das geht nicht. Scheff sage, wenn wir Leute nicht wecke, dann schlecht für Wirtschaft. Und wenn Wirtschaft schlecht, dann niemand baut. Und wenn niemand baut: Wer dann wecke Leute?»