Bis vor kurzem lebten wir gemütlich und gänzlich unauffällig in einer Vierzimmerwohnung in Zürich, im Konkubinat, mit zwei Kindern. Alles normal. Meine Frau spricht normal, blickt normal, küsst normal.

Aber offenbar ist der Staat anderer Meinung. Wie ich darauf komme? Ganz einfach: Der Kanton Zürich behauptet, sie sei verheiratet. So stehts in der diesjährigen Steuerveranlagung meiner Partnerin. Meine Konkubine wird nach dem Verheiratetentarif veranlagt, nicht nach dem Grundtarif wie normale Unverheiratete. «Alles legal», sagt der Steuerbeamte am Telefon. «Das machen wir so bei Konkubinatspaaren. Sorgen Sie sich nicht.»

Interessant. Für die Steuerbehörden kann dieselbe Person also sowohl verheiratet als auch unverheiratet sein. Was das für ein Menschenbild erfordert, versuchte ich mir schon gar nicht vorzustellen. Ich buchte es unter Absurditäten des modernen Staates ab.

Doch vor wenigen Tagen kam ein zweiter amtlicher Brief: Diesmal von der kantonalen Sozialversicherungsanstalt. Der Entscheid über die Prämienverbilligung. Darin behauptet das Amt allen Ernstes, meine Frau sei - alleinerziehend!

Nun beteilige ich mich wacker an Betreuung und Erziehung unserer beiden Töchter. Schleppe sie zur Krippe und hole sie abends wieder ab, betreue, füttere, kaufe ein und wasche. Alleinerziehend? Wie kommt die Sozialversicherungsanstalt denn darauf? Die Antwort: «Alles legal. Das machen wir so bei Konkubinatspaaren. Sorgen Sie sich nicht.»

Und doch, ich sorge mich: In den Augen des Staates muss meine Frau nämlich eine mehrfach gespaltene Persönlichkeit haben. Nur so ist es möglich, dass sie gleichzeitig für verheiratet, alleinerziehend und konkubiniert erklärt wird.

Jetzt erwarte ich jeden Tag den Einsatzwagen des Notfallpsychiaters oder den nächsten Brief der nächsten Staatsbehörde. Vielleicht von der Ausgleichskasse, die mir mitteilt, dass meine beiden Kinder Anspruch auf eine Waisenrente haben. Weil meine Frau verwitwet sei.

Quelle: Luca Schenardi