Nein, es geht nicht ums Geschäft - gemeint ist die Partnersuche. Vorbei die Zeit stundenlangen Baggerns bei Kerzenlicht. Spaziergänge im Mondschein ziehen nur noch Romantik-Nostalgiker in Betracht. Moderne Singles recherchieren im Internet und selektieren schon mal nach Grösse, Haarfarbe, Gewichtsklasse, Kilometerleistung und Dienstalter.

Hartgesottene gehen zum Speed-Dating, zum Hochgeschwindigkeitsflirt, wo man nacheinander sieben bis zehn paarungsbereite Singles für je sieben Minuten vor die Flinte bekommt. Kurze Fragen, knappe Antworten, dann auf einem Zettel vermerken, ob man Nummer 3 wiedersehen möchte, und weiter gehts zu Nummer 4. Kontaktaufnahme verdichtet. Wenig Raum für Nebensächliches, keine Zeitverschwendung durch Charmeoffensiven mit peinlichem Gebalze - ohne Treffergarantie vom Veranstalter zwar, doch mit passabler Kosten-Nutzen-Bilanz.

Der Turboflirt spiegelt die Leistungsgesellschaft: Erfolgsmenschen sind ständig unter Strom. Der dynamische Macher fühlt sich gut im pulsierenden Umfeld. Und er nutzt jede Gelegenheit, voranzukommen. In Beziehungskisten wie auch karrieremässig. Sehr praktisch - und effizient - daher auch, dass der Speed-Flirt-Event nicht nur Partnerbeschaffung, sondern parallel auch Training aufs Vorstellungsgespräch für den nächsten Job ist. Denn wer es schafft, dem Traumpartner minutengetaktet seinen Body-Mass-Index, die bevorzugten Sportaktivitäten, kulinarische und kulturelle Vorlieben, Labrador und den brandneuen Hybrid-Offroader schmackhaft zu machen, den kostet auch der härteste Bewerbungsmarathon nur ein Lächeln. Als Speed-Dating-Erprobter ist man nicht nur sozialkompetent, projekttauglich und lösungsorientiert, sondern auch risikofreudig, stressresistent und zeitdruckabsorbierend: Musik in den Ohren eines jeden Personalchefs.

Und was in Liebe und Job Erfolg bringt, taugt auch für andere Lebensbereiche: Was spricht denn gegen einen 7-Minuten-Kinoabend? Gegen die 7-Stunden-Ferienreise oder das 7-Sekunden-Entspannungsbad? Dann verlieren wir auch keine Zeit mehr mit dem ewigen Gejammer, dass wir für gar nichts mehr Musse haben - für den 7-Seiten-Schmöker findet sich immer ein Zeitfenster. Das Leben wäre dank Speed-Living viel erfüllter. Darauf hätte man längst mal kommen sollen! Hätte eine Menge Zeit gespart. Bleibt dann nur die Frage: Wofür?