Ich: «Vietnam, Afghanistan, Irak und bald wohl der Iran: Ihr seid doch einfach verdammte Kriegsgurgeln.»

Der US-Amerikaner (nennen wir ihn der Einfachheit halber George): «Als wir im Zweiten Weltkrieg rüberkamen und Krieg führten, wart ihr alle froh.»

In diesem Stil gehts fröhlich weiter. Irgendwann zücke ich dann einen meiner grössten Trümpfe: «Meilen, Gallonen und Pfund - dass ich nicht lache. Ihr habts bis heute nicht geschafft, das metrische System einzuführen. Abgesehen von euch weigern sich da nur noch Liberia und Burma. Da seid ihr ja wieder mal in guter Gesellschaft. Und ist euch nicht 1999 ein millionenteurer Satellit auf dem Weg zum Mars verglüht, weil jemand Berechnungen in eurem unmöglichen System gemacht hat?»
Wir tauschen eifrig weitere Nettigkeiten aus. Er wirft mir den Platzspitz vor - die Bilder vom «Needle Park» in Zürich haben sich tief ins kollektive US-Gedächtnis eingegraben. Ich kontere mit dem Niedergang des amerikanischen Sozialstaats. Er kommt mir mit dem Nazigold. Und so arbeiten wir uns langsam in die Gegenwart vor.

George: «Und eure Aussenministerin bindet sich ein Kopftuch um und geht ausgerechnet in den Iran, um einen Gas-Deal abzuschliessen.»

Ich: «Vielleicht wars besser, dass nicht die ganze Welt ihre Frisur gesehen hat. Und übrigens: Ätsch, wir haben euch geschlagen - der Franken ist jetzt mehr wert als der Dollar.»

George wirds dann meistens zu bunt. Und er wechselt mit jener amerikanischen Leichtigkeit das Thema, die einem so auf die Nerven gehen kann. Doch sein Nationalstolz ist gekränkt, und in seinen Augen lese ich so was wie «Wartet nur, wartet nur».

Ich warte also.

Und kürzlich lese ich dann, dass der Schweizer Pass bald einen Chip mit Informationen zur Identität enthalten soll, die per Lesegerät erfasst werden können. Und dass der eidgenössische Datenschützer besorgt sei, weil so der Einzelne seine Daten nicht genügend schützen könne. Maximalen Schutz gebe es nur, wenn man dafür sorge, dass keine Kommunikation zwischen dem Chip im Pass und einem Lesegerät zustande komme. Zum Beispiel indem man den Pass in Alufolie wickle.

Wie bitte? Ich soll meinen stolzen Schweizerpass in Alufolie wickeln?

Und dann erinnere ich mich: Wer hat uns denn diesen biometrischen Pass überhaupt eingebrockt? Die Amerikaner natürlich.

Quelle: Luca Schenardi