Moderne Frauen wissen eben, was sie wollen. Und was sie wollen, bekommen sie: Im Hallenbad reservieren sie ganze Nachmittage für sich, im Fitnessklub müssen sie nicht in die gemischte, sondern können in die Frauensauna. Schliesslich sind sie gerne mal unter sich. Deswegen sind sie aber noch lange nicht prüde, im Gegenteil: Wenn die Schlange vor dem Frauen-WC mal zu lang sein sollte, gehen sie, ohne mit der Wimper zu zucken, aufs Männerklo. Und über Parteigrenzen hinweg gründen sie Frauengruppen und haben im Bundeshaus sogar ein eigenes Frauenzimmer.

Die Zeiten sind vorbei, in denen frau Bücher lesen musste, wie die perfekte Hausfrau für ihren Göttergatten zu sein hat. In jeder Papeterie findet sie an der Kasse Lektüre wie «Freche Sprüche für freche Frauen», in der die Männer ähnlich aufs Dach kriegen wie kürzlich Eva Herman, die es im Jahr 2007 noch gewagt hat, ein antiquiertes Frauenbild zwischen zwei Buchdeckel zu drücken.
Das Heimchen am Herd hat endgültig ausgedient. Dem modernen Mann sind aufgeschlossene, kecke und selbstbewusste Frauen eh lieber. Damit ihm keine in die Eier tritt, pfeift er keiner nach, schaut einer Tennisspielerin bloss auf die Vorhand und konzentriert sich beim Damenfussball nüchtern auf den schönen Ballwechsel. Wenns feuchtfröhlich wird, lacht er, wenn Frauen sagen: «Natürlich muss man die Männer nehmen, wie sie sind. Aber man darf sie nicht so lassen.» Gleiches über Frauen würde er sexistisch finden. Er setzt sich für Frauenförderung ein und vertritt deren Anliegen - schliesslich haben sich seine Geschlechtsgenossen während Jahrhunderten bloss für ihre eigenen Interessen eingesetzt. Er findet Frauen in Männerberufen cool, Männer in Frauenberufen aber trotz allem ein bisschen schwul. Und wenns im Frühling wieder warm wird, wertet er den Ausschluss der Frauen vom Sechseläutenumzug als diskriminierend.

Mein Kollege Olivier ist einer dieser neuen Männer. Modern, urban, alles andere als ein Schlappschwanz. Er mag Frauen, die wissen, was sie wollen. Wie die 32-jährige Frau, die ihn mit 14 «in die Liebe eingeführt» hat. Wie würde er das wohl sehen, wenn er ein Mädchen gewesen wäre und die 32-jährige Frau ein Mann? Er würde von sexuellem Missbrauch sprechen.