Kirchenvertreter in Pennsylvania peitschten nämlich, vor den Augen von Eltern und Kindern, in einer Art Osterspiel einen Hasen aus. Und wir nehmen nicht an, dass es sich um einen Schokoladehasen gehandelt hat. Dazu sangen sie «Es gibt keinen Osterhasen» und zerbrachen Ostereier. Mit dieser pädagogisch eher im Rambo-Bereich angesiedelten Aktion wollten die Kirchenoberen ein für allemal darüber aufklären, dass Ostern das Fest der Auferstehung Jesu Christi ist.
Zum Glück, werden Sie sich sagen, zum Glück bewahren wir hierzulande unsere Kinder vor solch bizarren Auswüchsen.

Dann fragen wir zurück: Wann waren Sie denn das letzte Mal im Zirkus? Auch ein Zirkusbesuch ist nichts für schwache Nerven. Gewiss, der dumme August, der sorgt für Heiterkeit. Doch dann ist auch schon Schluss mit lustig. Einer mit Turban spuckt und schluckt Feuer, dass es einem den Magen umdreht. Der Löwendompteur steckt, als lustigen Schlusspunkt, seinen Kopf in den Schlund des Raubtiers. Nicht auszudenken, wenn...! Den Knirpsen im Publikum gefällts, sie toben und klatschen. Und der Clown. Er produziert Musik nicht etwa auf einem unschuldigen Cello, sondern auf einem monströsen Sägeblatt. Man ahnt, dass er damit gleich noch eine schwebende Jungfrau in zwei Stücke schneiden wird. Die Hundedressur beginnt harmlos, bis die Viecher im Stechschritt zu laufen beginnen - man wähnt sich plötzlich im Dritten Reich. Hernach Auftritt des Messerwerfers. Gleich zu Beginn schleudert er ein paar Buschmesser Richtung Assistentin, die in Jesus-Manier an einer Holzplatte hängt. Applaus. Dann kriegt sie einen Sack über den Kopf gestülpt (Zwischenapplaus), und die Holzplatte beginnt sich zu drehen. Der Artist wirft nun schwere Äxte wenige Zentimeter neben Brust, Kopf und andere nicht eben lebensunwichtige Organe der bemitleidenswerten Frau. Die Knirpse grölen, johlen, klatschen und strahlen mit glänzenden Augen ihre Eltern an. Die Erwachsenen sitzen steif und bleich da, und es wird noch eine Weile dauern, bis sie unverkrampft zurücklächeln können.

Es keimt ein fürchterlicher Verdacht. Unsere Kinder, also man getraut sich das ja kaum auszusprechen, aber macht sie ihnen am Ende gar Spass, diese Brutalität? Dann können sich die Knirpse schon auf das Fernsehprogramm zu Ostern freuen, auf die Monumentalschinken, in denen Jesu Kreuzigung möglichst originalgetreu nachgeahmt wird. Geisseln, Dornenkrone, Peitsche, Schweiss und Blut - das volle Programm. Dagegen wirkt das Auspeitschen eines Osterhasen fast schon zärtlich. Und das Eiertütschen sowieso. Auch wenn bei diesem lustigen Brauch zugegebenermassen die Gefahr besteht, dass Ihr Kind in Fahrt kommt und begeistert «Köpfe einhauen! Köpfe einhauen!» skandiert.

Quelle: Luca Schenardi