Gegen den November ist jeder. Grau in grau, nasskalt, depro - sein Image ist mies. Aber denken Sie an letzten November: unbestritten mild, sonnig und heiter. Herbstzauber «vom Feinsten», wie es heute heisst. «Und das ist kein Einzelfall», würde nun der typische Beobachter-Artikel fortfahren. Also: Das ist kein Einzelfall - die November sind besser als ihr Ruf und somit Opfer übler Nachrede. Im Grunde ein Fall für den Beobachter («Stark für die Schwachen»).

Aber lassen wir das. Jetzt ist Januar, und der ist das Problem. «Der Januar ist der Montag», hat ein Kollege messerscharf analysiert. Der Start ins neue Jahr könnte gleich jede Lust auf dieses rauben, wüsste man nicht: Selbst der Januar endet mal. Und wenn das ganze 31 Tage dauert. (Zum Vergleich: Der Februar, von Haus aus auch kein Wonnemonat, trollt sich meist nach 28 Tagen. Immerhin.) Januar kommt vom römischen Gott Janus, der mit den zwei Gesichtern. Janusköpfig bedeutet zwiespältig - das sagt wohl schon alles!
Januar, das ist der Monat der so genannten guten Vorsätze, besser: des vorsätzlichen Selbstbetrugs. Und der Monat, in dem uns, nach dezemberlichem Lichter und Feiertagsglanz, die öde Wirklichkeit wieder begrüsst. Mit Arbeitskollegen, Chefs, Staus, einer neuen Steuerperiode. Dem Wetter, grau in grau, nasskalt, depro. Mit Autofahrern, die frühmorgens bei laufendem Motor vereiste Windschutzscheiben freikratzen. Mit Glatteis, Schneematsch, triefenden Nasen, Husten. Mit Tagen, die angeblich wieder länger werden, aber im Januar merkt man das nie.

Also weg mit dem Januar! Lassen wir ihn ausfallen! Neujahr kann man retten, da kriegt man - je nach Restalkohol - oft sowieso wenig von der Aussenwelt mit. Aber dann wirds sofort Zeit für den sympathisch überschaubaren Februar. Ein paar Wochen Winter für Schneefanatiker hätten immer noch Platz.

Nun werden Sie sagen: Weg mit dem Januar, das geht doch nie! Stimmt - wenn wir auf Europa warten. Denn so schnell dürfte es der EU nicht gelingen, sich von Finnland bis Zypern auf eine einheitliche Haltung zum Januarproblem zu verständigen, den Monat klimatisch zu harmonisieren, um ihn dann - womöglich mit Übergangsfristen - abzuschaffen. Dabei drängt die Zeit: In weniger als einem Jahr wirds schon wieder Januar.

Deshalb: Wenn sich irgendwo ein Schweizer Alleingang lohnt, dann hier. Der Wettbewerbsvorteil wäre immens: noch Januartrübsinn im Rest Europas, aber schon vorfrühlingshaft optimistischer Februar bei uns! Natürlich müsste man im Tourismus (kürzere Skisaison), im internationalen Verkehr (Fahrpläne) oder etwa auch in der Meteorologie (national unterschiedlicher Jahresverlauf) kleine Anpassungen vornehmen. Alles lösbar - vor Einführung der Sommerzeit gab es auch Bedenken, die heute vergessen sind. Apropos: Von Juni bis August könnte man gut die frei werdenden 30 Tage (Neujahr bleibt!) platzieren. Das Risiko, dass sie grau in grau, nasskalt und depro ausfallen, wäre dann etwas geringer als seinerzeit im Januar. Wenns gut läuft.