Die Schweiz, eine «Seglernation»? So weit wie Westschweizer Medien mag der Generalsekretär des Schweizer Segelverbands nicht gehen. Der Sieg des Alinghi-Teams am «America’s Cup» sei aber eine «Supersache, die dem Schweizer Segelsport weiter Auftrieb geben könnte», sagt Ruedi Christen. Ein populärer Sport sei das Segeln hierzulande jedoch schon lange.

Die Zahl der aktiven Segler im «Binnenland Schweiz» ist tatsächlich beeindruckend: Rund 40000 Segelboote sind registriert, über 150'000 Seglerinnen und Segler verbringen ihre Freizeit regelmässig auf dem Wasser.

Längst hat das Segeln den Ruf des Elitesports verloren. Das Halsen und Wenden kann von jedermann erlernt werden und ist inzwischen auch für Normalverdienende erschwinglich. Einzige Voraussetzung: Man muss schwimmen können.

Am günstigsten lernt man in einem Verein segeln. Der Mitgliederbeitrag für Jugendliche und Erwachsene liegt zwischen 100 und 400 Franken im Jahr. Vereinsmuffeln bieten Segelschulen eine attraktive, allerdings nicht ganz billige Alternative: Für einen einwöchigen Kurs müssen etwa 1000 Franken hingeblättert werden.

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Stark variierende Bootspreise
Wie fürs Autofahren gilt auch fürs Segeln: Ohne Prüfung läuft gar nichts. Wer ein Boot mit mehr als 15 Quadratmeter Segelfläche steuern will, braucht den Segelschein D. Wer auf dem Meer segeln will, benötigt das Hochseepatent, den so genannten B-Schein. Die Prüfung dafür ist aufwändig: Man muss nicht nur 1000 Seemeilen auf dem Meer zurücklegen, sondern auch über Hoheitsrechte, Navigation, Wetter und Strömungen Bescheid wissen.

Am schönsten segelt es sich im eigenen Boot. Dafür muss man allerdings tief in die Tasche greifen: Je nach Bootsklasse variieren die Preise zwischen 6000 Franken für eine Jolle und mehreren 100'000 Franken für eine Teak-Luxusjacht.

Messen wie zum Beispiel die Interboot, die jeden Herbst im deutschen Friedrichshafen am Bodensee stattfindet, geben einen guten Überblick über das Angebot von der sportlichen Jolle bis zum komfortablen Familienboot mit Kajüte für mehrtägige Segeltouren.

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Ästheten schwärmen für Holzboote oder Oldtimer – sie sind jedoch nur für Leute mit Segelerfahrung geeignet. Für Jugendliche gibt es die so genannten Optimisten: Das sind Anfängerboote mit nur einem Segel.

Nicht nur die Anschaffung, sondern auch der Unterhalt eines Boots kann ins Geld gehen. Hafen- und Bojenplätze für Bootsbesitzer sind rar und deshalb entsprechend teuer, die Wartelisten bei den Seegemeinden lang. Anstrich und Ausbesserungsarbeiten kosten rasch einmal mehrere 100 bis 1000 Franken pro Jahr, hinzu kommt die jährliche Zulassungsgebühr für das Boot. Aus diesem Grund verzichten viele Freizeitkapitäne auf den Kauf eines Boots.

Manche Segelschulen leihen Boote aus. Erforderlich ist je nach Bootstyp der D-Ausweis oder der Nachweis, dass man einem Klub angehört und somit über Segelerfahrung verfügt. Der Mietpreis hängt vom Bootstyp und von der Mietdauer ab. Eine Tagesmiete kostet zwischen 100 und 400 Franken.

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Anteil an Bootseigentum
Eine Alternative zu Kauf und Miete bietet Sailcom, eine Sharing-Genossenschaft von Bootsbesitzern. Voraussetzung für den Beitritt ist der Besitz des Segelbrevets D. Die Jahresgebühr beträgt 100 Franken. Zuvor müssen allerdings ein Anteilschein in der Höhe von 600 Franken gekauft sowie eine einmalige Eintrittsgebühr von 200 Franken bezahlt werden.

Die Sailcom-Flotte besteht aus 40 Booten verschiedenen Typs, die in den Häfen von elf Schweizer Seen liegen. Gebucht werden können die Boote per Internet. Die Stunde kostet je nach Bootstyp zwischen 21 und 26 Franken.