Jahrelang hielt sich Scientology diskret im Hintergrund. Nun ist die Sekte wieder aktiv. Auf Flyern preist sie Gratis-Persönlichkeitstests im Internet an. Jede Woche werden laut Jürg Stettler von Scientology im Grossraum Zürich einige tausend Flugblätter in Briefkästen gelegt. Der Test helfe den Leuten, ihre Selbsteinschätzung zu verbessern, wirbt Stettler.

Die aktuelle Offensive ist Sektenexperte Georg Schmid nicht entgangen. Die Sonnentemplerdramen in den neunziger Jahren hätten bei allen Sekten Imageschäden hinterlassen. Nun klingen diese Nachwirkungen laut Schmid ab: «Die Organisation traut sich wieder, forsch aufzutreten.» Dies auch, weil sie mit der Zurückhaltung der letzten Jahre wenig Beachtung erzielt und kaum neue Anhänger gewonnen habe.

Wer den Internet-Fragebogen beantwortet, erhält eine Einladung zu einem Auswertungsgespräch. Regelmäs­sig werden den Besuchern dort Instabilität, Nervosität, Depressionen diagnostiziert. Dagegen empfiehlt der Berater dann Kurse sowie die Aneignung des Scientology-Systems Dianetik.

Eindringlich warnen die Berater vor der klassischen psychiatrischen Behandlung. Eine DVD mit dem Titel: «Psychiatrie: Tod statt Hilfe» versammelt Negativbeispiele. Im Spätsommer sollen 1000 Exemplare in Fachkreisen - an Ärzte, Psychiater und Krankenkassen - versandt werden, um angebliche Missstände aufzudecken. Offiziell verantwortlich für die Aktion: eine «Bürgerkommission für Menschenrechte». Scientology bleibt dabei bereits wieder diskret im Hintergrund.

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