Viertausend Solaranlagenbesitzer müssen warten. Bloss 1631 erhielten vom Bundesamt für Energie den Bescheid, dass sie für ihren Strom einen kostendeckenden Preis erhalten. Zum Handkuss gekommen ist auch Walter Tschopp. Mit seiner Solaranlage in Braunwald GL produziert er bescheidene 1000 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Ihm wird nun in den nächsten Jahren für jede Kilowattstunde 75 Rappen bezahlt. Dennoch ist er frustriert.

An seiner erst zweijährigen Anlage musste er einen neuen Zähler einbauen lassen. Der bisherige war der Stromnetzgesellschaft Swissgrid nicht genehm. Und: Auf Geheiss der Swissgrid musste er auch eine neue Leitung installieren – um den Nachtstrom zu erfassen. Dies nicht etwa weil die Solaranlage plötzlich im Dunkeln Strom produzieren würde, sondern weil ein elektronischer Baustein der Anlage nachts minimste Mengen Strom verbraucht.

Unverhältnismässiger Aufwand

Zu guter Letzt verlangte die Swissgrid auch noch eine Zertifizierung der Anlage, obschon das örtliche Elektrizitätswerk sie bereits vor zwei Jahren abgenommen hatte. Nur weil Tschopp hartnäckig insistierte, zeigte man sich kulant und erledigte die Zertifizierung vom Bürotisch aus. Trotzdem: Der gesamte Aufwand übersteigt zehn Prozent der ursprünglichen Kosten der Solaranlage.

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Tschopp wird also in den nächsten Jahren mit den paar hundert Franken Fördergeldern nicht die Solaranlage amortisieren, sondern die Zusatzinvestitionen. Für den Ferienhausbesitzer ist klar: «Dieser Aufwand ist unverhältnismässig.» Als er sich für die Einspeisevergütung angemeldet habe, sei nie die Rede von solch hohen Kosten gewesen. Swissgrid reagiert kühl: Tschopp hätte halt vor der Vertragsunterzeichnung das neue Energiegesetz und die Verordnung studieren müssen.

Tschopp ist kein Einzelfall. Die Swissgrid macht Besitzern von Kleinstanlagen die gleichen Auflagen für Zähler, Leitungen und Zertifizierung wie Betreibern von Wasser- oder Windkraftwerken. Die aber speisen ein Vielfaches an Strom ins Netz ein. Massgebend seien allein die Vorgaben in der Energieverordnung, argumentiert Swissgrid-Sprecher Christian Schubert. «Ob sich die Investition lohnt, kann nur der Betreiber entscheiden.» Schubert weiter: «Viele Besitzer einer Photovoltaikanlage wären froh gewesen, wenn sie in das System der Einspeisevergütung aufgenommen worden wären.»

Versprochen und vertröstet

Anders erging es Martino Hauri mit seiner Anlage in Dino TI. Sie war noch gar nicht gebaut, als er die Zusage für Fördergelder erhielt. Also installierte er den Swissgrid-Zähler. Weil die Anlage aber am 1. Januar 2009 nicht fertig war, wurde Hauri auf die Warteliste versetzt. Pech für ihn. Seinen Strom kann er nun dem lokalen Elektrizitätsanbieter verkaufen. Dort erhält er aber pro Kilowattstunde nur 15 statt 75 Rappen. Die Krux: Das Elektrizitätswerk verlangt einen anderen Zähler. Bekäme Hauri aber dereinst doch noch Einspeisegelder, müsste er wiederum den Swissgrid genehmen Stromzähler einbauen.

Nun gibt es ein Konjunkturprogramm, mit dem Solaranlagen ebenfalls gefördert werden. Unterstützt werden aber nur Anlagen, die noch nicht gebaut sind. Wieder Pech für Hauri: Seine Anlage war in diesem Fall zu früh fertig.

So wird grüner Strom subventioniert

Das Prinzip ist einfach: Jeder Stromkonsument bezahlt seit Anfang 2009 für jede verbrauchte Kilowattstunde 0,45 Rappen in einen Topf des Bundes. Mit diesem Geld – dieses Jahr knapp 250 Millionen Franken – entschädigt der Bund Strom aus Wasserkraft (bis 10 Megawatt), von Wind-, Geothermie-, Biomasse-Kraftwerken und Photovoltaik­anlagen. Betreiber können so Strom kostendeckend ins öffentliche Netz einspeisen.

Das Problem dieser kostendeckenden Einspeisevergütung: Der Topf reicht nicht für alle. Das System sieht für jede Technologie einen Maximalförderbetrag (Deckel) vor. Für Solaranlagen stehen dieses Jahr 17,4 Millionen Franken zur Verfügung. Weil der Gesamtdeckel über alle Technologien längst erreicht ist, ­landen alle Neuanmeldungen auf der Warteliste.

Das System kommt damit wenige Monate nach dem Start bereits zum Stillstand. Bis Mitte Jahr muss das Bundesamt für Energie aufzeigen, wie es weitergehen soll. Zur Diskussion steht, die Einschränkung zu lockern oder aufzuheben.