Er gilt als Hardliner unter Mitarbeitenden wie Klienten. Jetzt stehen Roger Ruggli, Sozialvorstand von Richterswil ZH, selber harte Zeiten bevor. Drei der fünf Mitglieder der eigenen Sozialbehörde reichten gegen ihn eine Aufsichtsbeschwerde ein. Sie werfen dem SVP-Gemeinderat vor, eigenmächtig zu handeln.

Strafanzeige einer Klientin

So habe er, ohne den Gemeinderat ausreichend zu informieren, die vorsorgliche Suspendierung einer Mitarbeiterin angeordnet. Diese Massnahme wurde mit präsidialer Verfügung wieder aufgehoben. Auf das «rigide Regime» des SVP-Politikers hatte der Beobachter bereits vor zwei Jahren (siehe Artikel zum Thema «Sozialhilfe: Armutszeugnis für die Schweiz») hingewiesen. Eine ehemalige Mitarbeiterin bezeichnete sein Gehabe als «unerträglich» und die Besprechungen als «Inquisition». Aufgrund der Aufsichtsbeschwerde beschloss jetzt der Gemeinderat, Ruggli «zu entlasten», so das Communiqué. In Wirklichkeit musste er seine Aufgaben als Sozialvorstand an Gemeinderätin Renate Büchi abgeben. Dagegen reichte Ruggli postwendend beim Bezirksrat Rekurs ein. «Diese Massnahme ist tendenziös und unfair, und zudem wurden in keiner Art und Weise die rechtsstaatlichen Grundsätze eingehalten», erklärt er.


Gegen den umstrittenen Amtsvorsteher ging auch eine Klientin mit einer Strafanzeige vor: Ruggli hatte ihrem neunjährigen Kind die Anhörung verweigert und gegen dessen Willen dem getrennt lebenden Vater ein Besuchsrecht zugesprochen – mit schwer wiegenden Folgen für das Kind, wie die Mutter sagt.

Die SVP hält Ruggli weiterhin die Stange und nominierte ihn für die Gemeinderatswahlen im April für eine weitere Amtszeit. Ruggli habe «Herz und Sachverstand» bewiesen.