Seine Zornesader schwoll an, als Rocco Häberli* die Beilage zur Dezemberrechnung, «Taxen Spitex Stadt Winterthur», las: 50 Franken fordert die Spitex dafür, dass sie seinen Wohnungsschlüssel sicher aufbewahrt. Ab sofort. Pro Monat. Das macht 600 Franken im Jahr. «Eine Riesenfrechheit», sagt Häberli, der seit einem Unfall auf die Spitex angewiesen ist. Landesweit zählt man 257'000 Spitex-Kunden.

«Der Aufwand für die Schüsselverwaltung ist sehr gross», argumentiert Louis Borgogno, Gesamtleiter der Spitex Winterthur. In den sechs Spitex-Zentren sind insgesamt gegen 300 Schlüssel zu verwalten. Das Ein- und Austragen muss sorgfältig erfolgen, damit die Sicherheit gewährleistet ist. Das braucht Zeit. Doch weder die Kantonalzürcher noch die nationale Spitex kennen ein Schlüsselgeld – und wollen auch keins einführen, wie sie beteuern. Warum also Winterthur?

Folge einer harten Sparrunde

Ende letzten Jahres strich der Winterthurer Gemeinderat der Spitex 183'400 Franken. Da die Spitex kostendeckend arbeiten muss, schien es der Leitung «sinnvoll, die Handhabung von 50 bis 60 Schlüsseln pro Tag gezielt weiterzuverrechnen». Lieber wäre ihr, die Kunden befestigten am Haus oder an der Tür ein Tresörchen. Die Spitex-Frau öffnet es mit einem zentralen Schlüssel, und der Schlüssel des Spitex-Kunden plumpst in ihre Hand. Ein Tresörchen kostet 270 Franken; die Spitex zahlt 200 Franken an Kunden mit tiefem Einkommen. Rocco Häberli zählt da nicht dazu. Er sitzt im Rollstuhl, arbeitet aber regulär. «Vielleicht zahlt mir das die Suva», sagt er, «aber was ist mit den Alten?»

*Name geändert

Aktuell: Doch kein Schlüsselgeld

Der öffentliche Druck hat gewirkt, das Aufbewahren der Schlüssel von Winterthurer Spitex-Kunden bleibt vorderhand gratis.

Nachdem der Beobachter und der Winterthurer «Landbote» über die unglaublich hohe neue Gebühr berichteten, beschwerten sich Dutzende Betroffene bei den Behörden. Nach wenigen Tagen gaben Sozialvorsteher Nicolas Galladé und die zuständige Bereichsleiterin Heidi Kropf-Walter dem starken Druck nach: Die Gebühr werde «per sofort sistiert», heisst es in einer Mitteilung.

Definitiv vom Tisch ist die Sache allerdings nicht. Die Aufbewahrung und Verwaltung von bis zu 300 Schlüsseln sei zeitaufwendig und kostenintensiv. «Doch die Notwendigkeit der Weiterverrechnung und die allfällige Höhe der Gebühr werden intern nochmals überprüft», so Heidi Kropf-Walter.