Heulende Sirenen, Blaulicht, Motorradeskorten und dunkle Limousinen - Fahrten von Staatsoberhäuptern geraten in den Nachbarländern zum filmreifen Spektakel. Diskreter gestalten sich die Dienstfahrten in der föderalistischen Schweiz. Ganz verzichten auf die Insignien der staatlichen Macht mag man aber auch hierzulande nicht.

Nicht einmal zugunsten einer intakten Umwelt. Die staatseigenen Vehikel sind ausnahmslos hubraumstarke Limousinen, bevorzugt aus dem Hause Audi oder Mercedes. Vorbildfunktion? Fehlanzeige.

Ein Hauch von Gnädige-Herren-Anspruch etwa fährt mit, wenn in Bern die sieben Regierungskarossen aus der Garage rollen: dunkelfarben, flüsterleise und schadstoffreich. Für die Motoren der zwei Audi A6 Quattro Jahrgang 1997 und 1998 sind Angaben zur Energieeffizienz wegen ihres frühen Baujahrs noch gar nicht erhältlich. Die Berner Polizei- und Militärdirektion schätzt sie in die Kategorie C oder D ein. Für den Peugeot 607 und den Mercedes E280 reicht es nur für die Stufe E. Zum Vergleich: Als energieeffizient gilt gemäss der Energieetikette des Bundes ein Fahrzeug der Kategorie A.

Mieser als Zürich gehts nimmer
Es geht noch schlechter. Viel schlechter. Etwa wenn sich die Regierungsräte der Kantone Zürich und Aargau ausfahren lassen. Sie tun dies nämlich in Fahrzeugen der teuersten und luxuriösesten Mercedes-Baureihe: der S-Klasse. Fünf davon besitzt Zürich, vier der Kanton Aargau. Die Blechsänften sind wahre Spritschleudern. Durchschnittlicher Verbrauch pro 100 Kilometer: 12,3 Liter, CO2-Ausstoss: 294 Gramm pro Kilometer. Ergibt Energieklasse G - die miesestmögliche Stufe. Äusserst bequem scheinen sie aber zu sein: Was die gefahrenen Kilometer angeht, schwingen just die Nobelkarossen-Kantone Aargau und Zürich obenauf. So kutschieren mit rund 150'000 gefahrenen Kilometern die fünf Mitglieder des Aargauer Regierungsrats schweizweit am meisten durchs Land. Immerhin noch auf 134'000 Kilometer bringen es die sieben Zürcher Regierungsrätinnen und -räte. Rang drei gebührt ihren sieben Berner Kollegen mit rund 105'000 Kilometern.

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Auf S-Klasse-Komfort wollen auch die Regierungsräte von Basel-Stadt und Freiburg nicht verzichten - trotz fehlendem Kleingeld. Die Lösung: ein Gebrauchter. «Wir haben die zwei Mercedes 500 S vor sechs beziehungsweise sieben Jahren günstig aus dem Fahrzeugpark der UBS gekauft», sagt Robert Heuss, Staatsschreiber des Kantons Basel-Stadt.

Wie die Aargauer, Zürcher oder Berner Regierungsräte sanft durch die Lande chauffiert zu werden - davon können viele ihrer Kollegen nur träumen. «In der Regel fahren die Regierungsräte mit ihrem Privatauto oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Ein- bis zweimal jährlich kommt ein ziviles Fahrzeug der Kantonspolizei zum Einsatz», so der Glarner Ratsschreiber Hansjörg Dürst. Um was für ein Fahrzeug es sich handelt, könne nicht öffentlich bekanntgegeben werden. Der Wagen werde nämlich mehrheitlich von der Kapo für verdeckte Ermittlungen benutzt.

Auch die beiden Appenzell, Zug und Obwalden stellen ihrer Regierung keine eigene Limousine zur Verfügung. Nidwalden bemüht sich zwar nach Kräften. Der fast zehn Jahre alte Buick Regal Limited scheint aber nur eine geringe Anziehungskraft auszuüben: Knapp 3'000 Kilometer beträgt seine jährliche Laufleistung. Und: «Das einzige Fahrzeug wird wohl kaum mehr ersetzt», meldet knapp Erich von Rotz von der Nidwaldner Staatskanzlei.

Als einziger Kanton verfügt Baselland über eine Staatslimousine mit alternativem Antriebskonzept: einen Volvo S80 Bifuel 2004. Das Fahrzeug wird gemäss Auskunft der Bau- und Umweltschutzdirektion wenn immer möglich mit Erd- oder Kompogas betrieben. Damit aber nicht genug. Baselland macht wirklich Ernst mit dem Umweltgedanken: «Einzelne Regierungsmitglieder benutzen für Kurzstrecken sogar die kantonseigene Veloflotte», sagt Therese Aeberhard-Arnold von der Bau- und Umweltschutzdirektion. Energieetikette überflüssig.

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