Eine unendliche Geschichte à la valaisanne erlebt Landwirt Anton Schaller aus Zeneggen. Nach eigenen Angaben wurde der 65-Jährige im Jahr 2000 von den Behörden angehalten, den Kuhstall artgerecht zu modernisieren. «Die Renovation wurde von den Behörden begutachtet, ich erhielt einen Subventionsbeitrag von 60'000 Franken zugesprochen.» Schaller verliess sich auf die mündliche Abmachung und wartete auf das Geld – vergeblich.

Rund zwei Jahre später hakt Schaller beim Chef des zuständigen Amts für Bodenverbesserungen, Paul Michelet, schriftlich nach – erfolglos.

Der verärgerte Landwirt wendet sich an den Anwalt und alt Nationalrat Peter Jossen. Der fordert ebenfalls eine schriftliche Stellungnahme. Zweimal – ohne Gehör. «Dass auf die Schreiben nicht reagiert wird, finde ich unglaublich. Das ist ja wie in einer Bananenrepublik», ärgert sich der Ex-Nationalrat.

Jossens drittes Schreiben geht auch an den Beobachter. Plötzlich eilts. Staatsrat Wilhelm Schnyder leitet innert Tagen eine Untersuchung ein. Eine Stellungnahme und eine Kopie der Entschuldigung an Jossen flattern beim Beobachter kurz vor Redaktionsschluss herein. Resultat: «Der Fehler liegt bei Paul Michelet. Er hätte auf die Schreiben reagieren müssen.» Der Beschuldigte verzichtet auf eine Stellungnahme.

Schnyder ist die Sache unangenehm. «Wir werden daraus unsere Lehren ziehen.» Den Ausdruck Bananenrepublik hält er für unverhältnismässig.

Ob Bananenrepublik oder nicht ist Landwirt Schaller erst einmal egal. Hauptsache, er hat endlich ein schriftliches Zeichen dafür, dass es überhaupt eine Behörde gibt.

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