Swissmedic muss dafür sorgen, dass nur sichere Medikamente in der Schweiz zugelassen werden. Doch die Aufsichtsbehörde ist mit der Pharmaindustrie verflochten. Ende letzten Jahres wurde Swissmedic-Institutsrat Reinhold Hotz nicht mehr gewählt: unter anderem weil der Beobachter aufgedeckt hatte, dass Hotz auch für die Pharmaindustrie Gutachten schreibt. Christine Beerli, neue Präsidentin des Institutsrats von Swissmedic, verspricht nun mehr Transparenz. Peinlich: Hotz-Nachfolger Gerhard Schmid ist ebenfalls mit der Pharmaindustrie verfilzt.

Beobachter: Christine Beerli, im Institutsrat von Swissmedic sitzt seit Anfang dieses Jahres Gerhard Schmid, der zugleich Partner ist in der Anwaltskanzlei Wenger Plattner, die für Pharmaunternehmen Klagen und Beschwerden gegen Swissmedic führt. Ist Schmid noch tragbar?
Christine Beerli: Ja, sicher. Gerhard Schmid hat seine Interessenbindungen immer klar deklariert. Zudem ist er auch Richter und Universitätsprofessor - eine integre Persönlichkeit, die weiss, bei welchen Entscheiden des Institutsrats sie in Ausstand zu treten hat.

Beobachter: Schmid preist aber seine Anwaltskanzlei auf der Website unter anderem damit an, dass sie «direkten Zugang zu Schlüsselpersonen in der Regierung» habe.
Beerli: Auch das ist für mich unproblematisch. Swissmedic ist nicht die Regierung. Ob eine solche Werbung unzulässig ist, müssen Sie also den Bundesrat fragen und nicht Swissmedic. Zudem gibt es viele Anwälte, die kundtun, wie gut ihre Beziehungen zur Verwaltung sind.

Beobachter: Wann erlässt Swissmedic endlich einen Kodex für Institutsräte, der klar vorschreibt, welche Interessenbindungen verboten sind?
Beerli: Ein solcher Kodex ist in Vorbereitung. Aber Swissmedic kann diesen nicht selbst erlassen. Das ist Sache des Bundesrats.

Beobachter: Die Kritik an der Verfilzung der Swissmedic mit der Pharmabranche ist schon seit geraumer Zeit auf dem Tisch. Wieso handelt man erst jetzt?
Beerli: Es gibt keinen Filz mit der Pharma und hat ihn nie gegeben! Und wenn Swissmedic jetzt über die Bücher geht, dann um ihre Abläufe noch effizienter, transparenter und berechenbarer zu gestalten.

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