Anfang November passiert ein Auto aus der Slowakei mit vier Personen und vier jungen Hunden – einem Pitbull, einem Beagle und zwei West Highland Terriern – die Grenze bei Schaanwald im Fürstentum Liechtenstein. Sie wollten in der Schweiz mit ihren Tieren Ferien machen, erklären die Reisenden dem Zöllner. Der Grenzbeamte traut der Sache nicht und verlangt für die Hunde eine Kaution von 500 Franken. Werden mehr als drei Hunde mitgeführt, müsste sie eigentlich auch der Grenztierarzt kontrollieren. Der Zöllner belässt es aber bei der Kaution.

Die Vierbeiner sind für eine Tiervermittlung im Entlebuch bestimmt. Ob für die Lieferung 2500 oder 1200 Franken abgemacht sind, dazu gibt es unterschiedliche Aussagen. Allein für den jungen Pitbull werden heute in der Kampfhundszene 3000 Franken und mehr geboten.

Bei der Übernahme der Hunde wird eine neue Bestellung aufgegeben, die dem Beobachter vorliegt. Aufgeführt sind da etwa ein «Pudel klein eventuell weiss» und ein «Schnauzer schwarz». Einfuhren von Hunden sind zwar unbeschränkt möglich, doch ist an der Grenze die Mehrwertsteuer zu entrichten. Zudem müssen auch die notwendigen Gesundheitsatteste und Impfbestätigungen vorliegen.

Da bekommt Edith Zellweger von der Aktiven Tierschutzgruppe Salez SG Wind von der Sache. Die couragierte Kämpferin gegen krumme Geschäfte mit Vierbeinern scheucht sowohl die Zollbehörden als auch das zuständige Veterinäramt in Luzern auf: «Ich habe die Behörden ständig auf dem Laufenden gehalten.»

Dennoch passiert der slowakische Lieferant auch mit der neuen Lieferung unbehelligt die Grenze. Die Hunde werden abermals weder versteuert noch tierärztlich kontrolliert. Als endlich die alarmierten Behörden die Firma im Entlebuch kontrollieren, finden sie zwar die Hunde. Doch der Lieferant ist längst über alle Berge.

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Weil die Tiervermittlerin über keine kantonale Bewilligung zum Hundehandel verfügt, wird ein Verwaltungsverfahren eingeleitet. Parallel dazu ermittelt das zuständige Amtsstatthalteramt wegen der Zoll- und Steuervergehen.

Gegenüber dem Beobachter erklärt die Luzerner Firmeninhaberin: «Ich bin bereit, die Mehrwertsteuer für die Tiere zu bezahlen.» Ansonsten stellt sie sich als Lebensretterin der Tiere dar: «Die Slowaken haben sich bei mir gemeldet und gesagt, dass die Hunde alle erschlagen würden, sollte sich kein Platz finden.»

Die Luzernerin will bisher kein Geld mit dem Hundehandel verdient haben. Wie auch immer: Viel zu befürchten hat sie nicht. Mit Bussen von höchstens 20'000 Franken bei Widerhandlungen gegen Vorschriften über den Tierhandel ist das Strafmass vergleichsweise bescheiden.

Nicht einmal die illegal importierten Hunde werden beschlagnahmt. Die Entlebucher Firma kann sie weitervermitteln. Einzige Auflage des Veterinäramts: «geeignete Plätze» – und dass die Tiervermittlerin Rechenschaft darüber ablegt.