Sanft wellen sich die Hügel oberhalb von Plasselb FR. Man hört die Glocken von grasenden Kühen, ein Bächlein plätschert, im Wald versteckt liegt eine ungenutzte Trinkwasserquelle. Die Aussicht vom Kugelfang des Schiessstands ins Tal hinab könnte idyllisch sein - würde man nicht statt in saftigem Gras in einem Matsch von alten Pneuteilen und Teppichresten waten. Und wäre nicht das Wasser, das überall aus dem Boden drückt, von einem matt schimmernden Film überzogen: Überreste von Zehntausenden von Patronen, die die Mannen der Schützengesellschaft Plasselb hier verschossen haben. An Orten wie diesem stecken gemäss einer Studie des VBS enorme Mengen an Blei, Kupfer, Zink, Quecksilber und Antimon im Boden: ein Giftcocktail.

Die Geschichte, wie die grüne Wiese zur sanierungsbedürftigen Altlast wurde, mögen in Plasselb nur die allerwenigsten erzählen. In der 1000-Seelen-Gemeinde im Freiburger Sensebezirk kennt jeder jeden. Da wird Kritik schnell einmal als Nestbeschmutzung ausgelegt.


Die Anzeige ist bereits eingereicht

Den Plasselber Schützen dienten jahrelang aufgeschichtete Holzstösse und sogenannte Big Bags als Kugelfang: riesige, mit Teppichresten gefüllte Säcke, in denen die Geschosse stecken blieben. Im Kanton Freiburg sind sie für das Feldschiessen offiziell zugelassen, müssen aber nach dem zweitägigen Schützenfest nach klaren Vorschriften entsorgt und «entbleit» werden. In Plasselb aber dauerte das «Schützenfest» mehrere Jahre, und es wurde weder entsorgt noch entbleit. Die Säcke zerplatzten, und das giftige Metall landete bald schon im Boden.

Im Frühsommer 2007 ging dann plötzlich alles sehr schnell und sehr wenig gesetzeskonform. Ein Bagger fuhr vor, und innerhalb von zwei Tagen war von den bleiverseuchten Big Bags nichts mehr zu sehen ausser ein paar Teppichfetzen und Pneuresten: Man hatte das Problem einfach unter die Erde gepflügt und zählte darauf, dass bald einmal Gras über die Sache wachsen würde.

Man zählt noch heute darauf. Beim kantonalen Umweltamt bestätigt der zuständige Mitarbeiter, Pierre-Alain Loup, immerhin, dass eine Anzeige laufe und deshalb Anfang Juli eine Besichtigung stattgefunden habe. Alles Weitere falle unter das Amtsgeheimnis, auch die Frage, ob je Wasser- und Bodenproben genommen wurden.

Schützenpräsident: «Alles in Butter»

Auf das Amtsgeheimnis beruft sich auch Nicolas Bürgisser, Oberamtmann des Sensebezirks, und beantwortet nur allgemeine Fragen. Gegenüber den Schützen gibt sich Bürgisser aber weniger verschwiegen. Deren Präsident Heinrich Ruffieux, mutmasslicher Mitwisser der illegalen Altlastensanierung und damit ein im Zusammenhang mit der Anzeige potentiell Angeschuldigter, ist jedenfalls über die Recherchen des Beobachters innert Stunden bestens im Bild: «Sie haben ja schon mit dem Oberamtmann telefoniert», sagt er. Und: «Bei uns ist alles in Butter. Mit der Presse reden wir nicht.» Dann beendet er das Telefonat.

Eine Schützengesellschaft, die ein Problem verschwinden lassen will, ein Umweltamt, das zögert, ein Oberamtmann, der potentielle Angeschuldigte informiert - «alles in Butter» sieht anders aus.

Gemeindeammann Hervé Brügger ist trotzdem optimistisch. Zum Verfahren, das sich «nicht gegen die Gemeinde» richte, will auch er sich nicht äussern. Er erklärt aber, für die Sanierung des Bodens beim Kugelfang müsse erst noch ein Projekt erarbeitet werden: «Da ist jetzt die Schützengesellschaft gefordert.» Und spätestens wenn diese die Kosten für das «Projekt» vorlegt, dürfte es mit der Ruhe im Dorf vorbei sein. Nach Erfahrungen des Bundesamts für Umwelt kostet die Sanierung pro aufgestellte Scheibe um die 20'000 Franken. In Plasselb stehen zehn.

Noch haben es die Plasselber in der Hand, diese Kosten deutlich zu reduzieren: Wenn ab dem 1. November auf der Anlage nicht mehr geschossen wird, bezahlt der Bund 40 Prozent der Sanierungskosten. Fällt danach auch nur ein Schuss, ist der Bundesbeitrag, der während mehr als elf Jahren hätte geltend gemacht werden können, verwirkt.

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