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Universität ZürichDer Skandal geht weiter

Die Verantwortlichen der kritisierten Hautkrebsstudie der Dermatologischen Universitätsklinik Zürich arbeiten weiter, die Kritiker geraten unter Druck.

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Rektor Hans Weder von der Uni Zürich verlor die Contenance. An einer Mitarbeiterinformation in der Dermatologischen Klinik vom 13. Dezember wollte eine Ärztin wissen, welche Folgen aus den vernichtenden Berichten über die umstrittene Krebsimpfstudie gezogen würden, gegen die nun auch eine Verfügung des Bundesamts für Gesundheit (BAG) vorliege (siehe Artikel zum Thema: «Hautkrebsstudie: Der Stoff, aus dem Skandale sind»). Mit hochrotem Kopf brachte Weder die Ärztin zum Schweigen und würgte eine Diskussion ab.

Sie sei entsetzt, meint eine Mitarbeiterin gegenüber dem Beobachter, wie man nun versuche, «den Schlamassel unter den Tisch zu kehren». Dazu gehört auch, dass sich laut Mitarbeitenden etwa in der beanstandeten Laborarbeit noch gar nichts geändert habe. Dabei wurde schon vor drei Jahren intern auf Mängel hingewiesen. «Es liegen Welten dazwischen, wie an dieser Klinik und zum Beispiel in US-Labors gearbeitet wird», sagt ein Insider.

«Schwerwiegende Mängel» der Studie
Ende November wurde der Befund des BAG veröffentlicht: Den Forschern um den Projektleiter Frank O. Nestle werden «schwerwiegende Mängel» bei der Durchführung der Studie vorgeworfen. Sie hatten zudem von den Krebspatienten eine Entschädigung von bis zu 20'000 Franken für die Teilnahme am Versuch verlangt und nicht zugelassene Substanzen verwendet.

Für jene Mitarbeiter, die Kritik an der wissenschaftlich und ethisch fragwürdigen Impfstudie auf dem Dienstweg angebracht und so den Skandal aufgedeckt haben, könnte das Engagement böse Folgen haben. Es brauche an der Klinik eine «personelle Entflechtung», liess die Spitalleitung intern verlauten, es müsse Ruhe einkehren. Weil die Verantwortlichen der Studie nicht mit Konsequenzen rechnen müssen, gehen die Kritiker davon aus, dass ihre Tage an der Klinik gezählt sind. Die Spitalleitung allerdings betont nach wie vor, dass den Betroffenen keine Nachteile entstehen sollen.

Der pensionierte Bundesrichter Herman Schmidt soll nun eine «Sachverhaltsabklärung» vornehmen, um der «vorhandenen Verunsicherung» zu begegnen, sagt die Spitalleitung. Angestellte hegen den Verdacht, es gehe bei der Untersuchung vor allem darum, Informationslecks zu orten. Dem Beobachter verweigerte Schmidt jegliche Auskunft über sein Mandat.

Die Klinik scheut die Öffentlichkeit
Präventiv wurde Klinikdirektor Günter Burg aktiv. So verlangte er von den Mitarbeitenden, dass sämtliche Kommunikation nach aussen über seinen Schreibtisch zu gehen habe. In einer internen Mitteilung kritisierte er jene Insider, die die Medien «zu einseitigen Darstellungen instrumentalisiert» und so für «Personen, die Klinik, das Spital, die Universität, den Forschungsplatz Schweiz und das weitere Umfeld einen unermesslichen Schaden» angerichtet hätten. Einen Schaden sieht Burg offenbar auch in der Intervention des BAG: Gegen dessen Verfügung legte er Rekurs ein. Unter Verschluss bleiben die vernichtenden Expertenberichte, die über die umstrittene Impfstudie verfasst wurden.

«Wer kontrolliert die Verantwortlichen für diesen Schlamassel?», fragen sich verunsicherte Klinikmitarbeiter. Sie hoffen auf die Geschäftsprüfungskommission des Zürcher Kantonsrats, die die Vorfälle untersucht und im Februar 2004 berichten will. Erstmals überhaupt werden dabei auch die Kritiker angehört.

Veröffentlicht am 22. Dezember 2003