Als Mohammad Tufail vor gut acht Jahren bei seiner Bank Geld abheben wollte, fiel er aus allen Wolken. Man teilte dem Aargauer Arzt mit, seine Konten seien von der Bundesanwaltschaft gesperrt worden – Verdacht auf Geldwäscherei und Zusammenarbeit mit der Terrororganisation al-Qaida oder den Taliban.

Das geschah kurz nach den Anschlägen in New York. Die Strafverfolgungsbehörden rund um den Glo­bus befanden sich im Ausnahmezustand. Doch Tufail war der falsche Mann. Er lebt seit Jahrzehnten unbescholten in der Schweiz, ist seit 1994 Schweizer Bürger und arbeitete jahrelang als Oberarzt in Schweizer Spitälern. Trotzdem stand er plötzlich unter dem Verdacht, Terrorist zu sein. Der Grund: Die Admi­nistration des damaligen US-Präsidenten George W. Bush hatte einen «Mohammed Tufail, Tuffail, Sheik Mohammed» neben rund 500 anderen Verdächtigen auf eine Terrorliste gesetzt, die die Uno und die Schweiz übernommen haben.

Nur: Mohammad oder Mohammed Tufail ist im islamischen Raum ein so häufiger Name wie Thomas Müller oder Kurt Meier in der Schweiz. Auf der Liste stand also nicht der Schweizer Arzt mit dem leicht ­anders geschriebenen Namen, sondern ein pakistanischer Namensvetter. Mit ihm ist er weder verwandt noch verschwägert. Das stellte bald auch die Bundesanwaltschaft fest. Sie gab Tufails Konten nach kurzen Abklärungen wieder frei und stellte das Strafverfahren gegen ihn ein, weil es sich beim Schweizer Mohammad Tufail «nicht um jenen Mohamed Tufail handelt, der auf der Terrorliste steht», wie sie in ihrer Einstellungsverfügung vermerkte.

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Es braucht einen speziellen Vermerk

Damit war die Sache für den Aargauer Arzt und Gründer des Islamischen Zentrums Bern aber nicht zu Ende. Denn er musste befürchten, beim Grenzübertritt in ein ­anderes Land als international gesuchter ­Terrorist verhaftet zu werden. «Im Ausland wissen sie ja nicht, dass ich nicht der gesuchte Mohammed Tufail bin», sagt er.

Für sein Problem gibt es nur eine ­Lösung: Auf der Terrorliste der Uno muss ­vermerkt werden, dass der Schweizer Arzt Tufail nicht der gesuchte Terrorist Tufail ist. Bereits vor sieben Jahren meinte Roland Vock, der im Seco für die Terrorliste zuständige Beamte, ein solcher Vermerk sei durch­aus eine Möglichkeit. «Da lässt sich für Mohammad Tufail vielleicht etwas machen», meinte er. Doch weder Vock noch Tufail unternahmen danach konkrete Schritte.

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Bis in diesem Juli. Da hörte Tufail am Radio, dass die Uno das Verfahren verbessert hat, wie unschuldige Personen von der Terrorliste gestrichen werden können. Die Uno hat auch eine Ombudsperson bestimmt, an die sich Betroffene wenden können, die geltend machen, zu Unrecht auf der Terrorliste aufgeführt zu sein. Doch das Problem des Aargauer Arztes ist auch damit nicht gelöst. Sein pakistanischer ­Namensvetter bleibt nämlich auf der Liste, weil er offenbar zu Recht im Verdacht des Terrorismus steht. Mit Hilfe des Beobachters bereitet Tufail nun ein Gesuch an die Ombudsperson der Uno vor, ihm schriftlich zu bestätigen, dass er nicht der Gesuchte ist.

«Es sollte ein Einfaches sein»

Um seinem Anliegen innerhalb der Uno Gehör zu verschaffen, braucht er aber die Unterstützung der offiziellen Schweiz. Und da signalisiert Roland Vock, Ressortleiter Sanktionen im Seco, durchaus Gesprächsbereitschaft: «Bereits die Bundesanwaltschaft hat ja festgestellt, dass der Aargauer Arzt Mohammad Tufail nicht der gesuchte Terrorist ist. Deshalb sollte es ein Einfaches sein, ihn bei seinen Demarchen bei der Uno zu unterstützen», verspricht er und weist darauf hin, dass die Schweiz das Anliegen auch über informelle Kanäle zur Sprache bringen könne.

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Unterdessen hat sich Tufail bei Vock ­gemeldet, und so besteht Hoffnung, dass der unterdessen 73-jährige Arzt eines Tages doch wieder ins Ausland reisen kann.