Es sollte sein wie immer. Weil die 30-jährige Luftfahrthalle erweitert werden muss, klopfte die Verkehrshaus-Leitung bei der Swissair an. Nach dem Gespräch stand ein zweistelliger Millionenbetrag in Aussicht. Nach der Swissair-Pleite liegt das Projekt auf Eis. «Es ist kein fassbarer Partner in Sicht», bedauert Verkehrshaus-Präsident Heinrich Zemp.

Sorgen machen auch andere Geldgeber. Als Bundesbetriebe steckten PTT und SBB jährlich bis zu einer halben Million Franken ins Haus – neben dem Vereinsbeitrag von 100'000 Franken. Als Post, Swisscom und SBB AG wollen sie das Verkehrshaus zwar «auch künftig unterstützen». Die «wenig differenzierte Hauptträgertätigkeit» passt ihnen aber nicht mehr – sie wollen fortan als Sponsoren Projekte «gezielt und differenziert» unterstützen.

Der abtretende Direktor Fredy Rey stellt die Schicksalsfrage: «Bleibt das Verkehrshaus ein nachhaltig geführtes Museum, oder wird es zum Chilbiplatz, der auf Teufel komm raus rentieren muss?» Reys Nachfolger wird ab diesem Frühjahr vor allem Geld auftreiben müssen. Laut Stellenbeschrieb wird eine «offensive und kontaktfreudige» Person gesucht, die «in der Lage ist, namhafte Sponsoren für das Verkehrshaus zu gewinnen».

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Auch ohne den Ärger mit den Trägerfirmen hat das Museum massive Finanzprobleme. Zwar kann es die reinen Betriebskosten decken. Langfristig genügt dies aber laut einer externen Studie nicht. «Der Cash-Flow ist viel zu klein, um die für die Zukunft notwendigen Investitionen und Erneuerungen der Ausstellungen und Anlagen finanzieren zu können», so das Fazit der Experten. Bei einem Umsatz von rund 25 Millionen Franken fehlen jährlich sechs bis acht Millionen für einen nachhaltigen Betrieb.

Als das «meistbesuchte Museum der Schweiz» verkauft sich das 1959 eröffnete Verkehrshaus. Rund 830'000 Personen kamen im letzten Jahr. Dabei erweisen sich vor allem die neuen Attraktionen wie das Imax-Kino oder der Fesselballon Hiflyer als Renner. Die Besucherzahl im Museumsteil aber sinkt – letztes Jahr um sieben Prozent. Kein Wunder: Viele Präsentationen zu Verkehr und Kommunikation wirken verstaubt.

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«Einzelne Ausstellungsteile sind wenig aktuell», finden SBB, Post und Swisscom. Für eine Auffrischung wollen sie aber nicht zuständig sein. Das Publikum wünsche «erlebnisorientierte Wissensvermittlung». «Unsere Sammlung an Autos, Flugzeugen, Schiffen und Eisenbahnen ist ihnen egal», klagt ein Verkehrshaus-Mitarbeiter. Das weisen die Firmen zwar von sich. Aber für Post und Swisscom steht das Museum für Kommunikation in Bern im Vordergrund. Bei der Bahn kümmert sich neu die Stiftung Historisches Erbe der SBB um Dampfloks, Kondukteurmützen und Laternen.

Die externen Berater schlagen vor, das als Verein organisierte Verkehrshaus neu zu gliedern. Kommerzielle Angebote wie das Imax-Kino, der Hiflyer oder der Museumsshop würden in eine Betriebsgesellschaft gepackt. Allfällige Gewinne erhielte die Stiftung, die sich um die Sammlung mit rund 150'000 Objekten oder das Planetarium zu kümmern hätte.

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«Mit dieser Aufteilung wäre garantiert, dass Subventionen auch wirklich für den Museumsteil eingesetzt werden», sagt Verkehrshaus-Sprecher Hans Syfrig. Die Stiftung soll also auf Betteltour gehen und die fehlenden sechs bis acht Millionen Franken pro Jahr beim Bund sowie bei Stadt und Kanton Luzern einsammeln. Sie zahlen bis Ende 2003 rund 2,4 Millionen Franken. Der Bund trägt mit 1,5 Millionen Franken den grössten Teil. Auf dem Bund ruhen denn auch die grössten Hoffnungen. Denkbar ist laut Präsident Heinrich Zemp ein Verkehrshaus als «nationale Institution wie das Landesmuseum mit einem öffentlichen Leistungsauftrag».

Das ist Zukunftsmusik. Vorderhand muss sich das Verkehrshaus ganz alltäglichen Problemen widmen. Zum Beispiel der Konkurrenz durch die Expo.02 in diesem Sommer. Die Luzerner rechnen mit 10 bis 15 Prozent weniger Publikum als üblich. Heinrich Zemp: «Das geht noch einmal an die Substanz.»

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