Nicht so eines Tages im September 2007. Nachdem die Familie die Route selber vergeblich abgesucht hat, alarmiert sie die Kantonspolizei Bern. Diese startet eine Suchaktion und zieht den Schweizer Alpen-Club (SAC) bei. Ohne Erfolg. Dennoch gibt es - vorläufig - einen glücklichen Ausgang: Ein Bauer findet den alten Mann nach zwei Tagen vor einem Hüttchen sitzend.

Dann das böse Erwachen: Das Inkasso des SAC stellt der Familie 20'000 Franken in Rechnung - obwohl die Polizei zuvor nicht auf diese Kosten aufmerksam gemacht hat. Nach Gesuchen an die Krankenkasse und den SAC reduziert sich die Rechnung - aber 12'000 Franken bleiben. Markus Mohler, Lehrbeauftragter an der Universität Basel und ehemaliger Basler Polizeikommandant, hält dies nicht für rechtens. Die Situation älterer und verwirrter Menschen sei vergleichbar mit der eines kleineren vermissten Kindes: «Das Verursacherprinzip findet hier keine Anwendung. Der Staat darf der Familie des Vermissten somit keine Kosten aufbürden.» Eine Kostenpflicht sei nur dann denkbar, wenn die Familie ihre Aufsichtspflicht verletzt.

Die Praxis sieht anders aus: Neben Bern beteiligen auch andere Polizeien die Familien bei Vermisstenfällen an den Kosten für die Suche. Das Vorgehen ist jedoch nicht einheitlich. So wurde diesen Sommer im Berner Oberland bei einer Suchaktion ein Armeehelikopter eingesetzt - ohne Kosten für die Eltern der vermissten Kinder. Mohler findet die Praxis unhaltbar: «Eine Ungerechtigkeit und ein Verstoss gegen das Gleichbehandlungsgebot. Es kann nicht sein, dass es dem Zufall überlassen wird, ob Kosten überwälzt werden oder nicht.»

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